Gig Review: The Libertines – Reunion Tour, 05.10.2014

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Going to a concert to see a band, well, that does mean something. Sometimes you pay a lot of money for it, or spend hours driving to the location. From time to time it happens that you even fly to another country and spend the night there, just to see the band. Well, this was the case for me in the beginning of October with The Libertines in Düsseldorf, Germany.

Almost to the minute we entered the concert hall of the Mitsubishi Electric Hall, the supports were already done, so we did not have to wait long for the main act.
They played the old and famous songs of their albums „Up the Bracket“ and „The Libertines“, new material was not included (yet).

Admittedly, the joy was endlessly great, despite the doubts that filled my head until the very last second the band actually showed up. „What if they don’t come after all?“, „What if Peter makes up his mind again?“ (which happened with Babyshambles on Frequency Festival in August this year)…what for would I have come to Düsseldorf, then? (No offense).

But they did come, and boy did they play! The top-songs of the evening were (a little surprisingly) The Boy Looked At Johnny, as well as all-time favourite Up the Bracket, during which the crowd went completely mad. Naturally, this was especially the case in the moshpit, which even I (unexpectedly!) found myself in.
Musically, the gig was very good, John Hassall and especially Gary Powell delivered a great performance. As usual, both of them stayed in the background, but it was Gary Powell who in the end heartily thanked the audience and said goodbye.
Peter Doherty seemed a little bit insecure at this gig and kept seeking for Carl Barât’s eye contact and „approval“, who performed more reliably. Each of them played a solo song, which clearly highlighted the differences between the two front men. Peter as the romantic poet, who has this blurry – and there for hypnotizing – sound, and Carl, who is definitely the better guitarist and more experienced musician.

Opposites attract – this is obviously the case with The Libertines. And even when it’s clear, that a band with two inofficial front men has quarrels from time to time – it’s important that they continue making music. And they’re doing that now.
The concert was the seventh and last in the row of reunion-liveshows that started this summer. The thing that so many fans thought impossible, has actually happened in the end: The Libertines are back together, touring, and even working on a new album which is supposed to come out in 2015. After the „failed“ reunion in 2010 (and before), fans had to content themselves with Peter Doherty’s and Carl Barât’s individual projects, such as Babyshambles, Dirty Pretty Things, The Jackals, etc.

Seeing the two of them together again, however, makes hearts leap for joy. Also during the gig they were practically inseperable: mic-sharing was practised all night long, just like in the good old days. At the end of the show the two blood brothers hugged each other so heartily, that there were certainly some tears shed in the audience.
Fans know: The Libertines are a fantastic band, and we are looking forward to what next year will bring!

© Robin Frank, 2014

© Robin Frank, 2014

Photo credits:

© The Libertines
© RIFF SHIFT

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Book Review: „My Prodigal Son“ & „Last of the Rock Romantics“

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prodigal

Das von Jacqueline Doherty geschriebene und 2006 veröffentlichte Buch ist ein Versuch, das Leben ihres Sohnes Peter Doherty aus ihrer persönlichen Sichtweise als Mutter zu schildern. Jackie Doherty geht dabei chronologisch vor und gibt dem Leser interessante Insights und Details zum Leben der Familie Doherty, die man wohl von keiner anderen Person zu hören bekommen könnte. Der Schwerpunkt des Buchs liegt allerdings nicht darin, Peters musikalischen Werdegang zu beschreiben. Fokus liegt auf seinen Drogenproblemen und darauf, wie seine Mutter mit den unendlich großen Sorgen fertig geworden ist – oder immer noch dabei ist, das zu tun. Dabei verteufelt sie ihren Sohn nie, ganz im Gegenteil, oft ist man überrascht von ihrer extremen Geduld. Häufig schreibt sie, dass sie sich zum Ziel gemacht hat, anderen Müttern in ähnlichen Situationen mit diesem Buch zu helfen. Häufig wird auch von Gott gesprochen, bzw. wird dieser angepriesen. Diese beiden Aspekte verleihen dem Buch leider eine etwas zu belehrende „Ratgeber“-Note, weshalb man es nicht wirklich als Musikbiographie bezeichnen kann. Trotzdem ist die Perspektive der Mutter aufschlussreich und das Buch definitiv zu empfehlen.

rockromantics

Alex Hannafords „Pete Doherty. Last of the Rock Romantics“ ist die am weitesten etablierte Biographie über Peter Doherty. Etwa zur selben Zeit veröffentlicht wie das oben genannte Buch (2006/7), gelang es dem Journalisten Alex Hannaford ein Bild von dem Leben Peter Dohertys zu zeichnen und den Segen von Jackie Doherty in Form eines Vorworts im Buch selbst zu bekommen. Dies impliziert einen gewissen Grad an Qualität des Buches, der sich nicht leugnen lässt. Hannaford hat zu großen Teilen penibel recherchiert (es stimmt allerdings nicht alles zu hundert Prozent) und sich sehr in die Einflüsse und Vorbilder von Peter und seinen Bandkollegen (u.a. natürlich Carl Barât) vertieft. Auch die Vision, das heruntergekommene England mit seiner Hauptstadt London wieder zu den alten Idealen zurückzuführen, die Peter so sehr begeistern, wird gut beschrieben (Anm.: oft wird diese Idee als „Journey to Arcadia“ mit dem Schiff „Albion“ bezeichnet).

Gut ist, dass Hannaford nicht gleich bei den Libertines loslegt, sondern auch den frühen Jahren in Dohertys Leben einige Kapitel einräumt. Natürlich beginnt die musikalisch relevante Zeit für Peter erst, als er nach London zieht und dort Carl kennenlernt. Die Ups und Downs der Libertines sowie die Formation der Babyshambles bilden den Kern des Buches. Über die Drogenexzesse und gescheiterten Entzugsversuche schreibt Hannaford wenig. Ein klares Plus für einen Journalisten, der sich endlich für das Wesen und die Musik des Sängers interessiert, und weniger für dessen Privatleben.
Dieses Buch vermittelt ein gutes Basiswissen über Peter Doherty und seinen musikalischen Werdegang sowie den der Libertines und Babyshambles und ist daher ein Must-Read für alle, die sich als Fan von Peter Doherty bezeichnen.

Und: als gewisses „Extra“ sind im Buch nahezu sämtliche Adressen von Clubs, Pubs und sonstigen Venues oder Orten (hauptsächlich in London) zu finden, die man mit Peter und seinen Kollegen in Verbindung bringen kann. Sicherlich nicht nur ich habe einige davon abgeklappert, als ich in London war…

Carl Barât's flat, "Albion Rooms", 112a Teesdale Street, Bethnal Green, East London

Carl Barât’s flat, „Albion Rooms“, 112A Teesdale Street, Bethnal Green, East London

Film Review: „Begin Again“

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Der Film erzählt einen gemeinsamen Sommer aus dem Leben von Dan, einem heruntergekommenen, ehemals erfolgreichen Musikproduzenten und Gretta, einer (Hobby-) Musikerin/Songwriterin. Die kurze Zeitspanne, in der die ziemlich märchenhaft-naive Handlung stattfindet beträgt nur einige Wochen in den Sommermonaten in New York City.
Gretta ist mit ihrem aufsteigenden Musiker-Freund Dave nach New York gegangen, um ihn auf Tour zu begleiten, dieser verabschiedet sich jedoch schnell von ihr, als er immer erfolgreicher wird. Gretta bleibt in New York, weil sie am selben Abend, an dem ihr Freund sie verlässt, spontan einen Song in einer Bar zum Besten gibt und so Produzenten Dan kennenlernt. Dieser ist auf Anhieb begeistert von ihr und wittert eine neue Chance für seine berufliche Karriere. Die beiden begeben sich also auf ein ziemlich amateurhaftes Abenteuer: ein Outdoor-Album auf den Straßen New Yorks aufzunehmen.

Hauptdarstellerin Keira Knightley macht ihre Sache – was das Schauspiel betrifft – gut, ist jedoch nicht so stark wie sonst. Für die Rolle nahm sie zum ersten Mal Gesangs- und Gitarrenunterricht, davor hatte sie wenig bis gar nichts mit Musik zu tun. Das merkt man in den Musikszenen sehr. Die Unsicherheit kommt beim Singen immer wieder durch, weder stimmlich noch instrumental ist die Leistung gut genug. Das ist allerdings nicht ihr vorzuwerfen, sondern Regisseur John Carney, der sie ausgesucht hat. Prinzipiell ist die Musik in dem Film sehr eintönig und flach, was nicht nur an Knightleys Stimme und den banalen Melodien liegt, sondern natürlich hauptsächlich an den Songwritern des Films. Ordentliche Musik wird in diesem Film bestenfalls nur erwähnt (wie etwa Bob Dylan) oder im Hintergrund abgespielt (z.B. Frank Sinatra).

Die Handlung prinzipiell ist – klassisches Hollywood – sehr naiv und realitätsfern. Die Idee, einen Kinofilm zu drehen, in der es doch viel über die Musikindustrie und -produktion geht, ist im Grunde nicht schlecht – Basiseindrücke werden hier auf jeden Fall vermittelt. Trotzdem bekommt man den Eindruck, dass sich hier eigentlich niemand so richtig mit der Thematik auskennt und der Film nur unter einem „Musikschleier“ gemacht wurde. Dies liegt vielleicht auch an der schlechten Wahl des Hauptdarstellers – Mark Ruffalo. Ihm nimmt man die gespielte Liebe zur Musik einfach nicht ab.

Besser wäre es gewesen, „Begin Again“ mit tatsächlichen aufstrebenden Künstlern aus New York zu drehen. So hätte der ein oder andere Bassist, Schlagzeuger oder Keyboarder eine große Chance bekommen, ganz zu schweigen von einer talentierten Sängerin, die sich in diesem Format hätte beweisen können.

Ein Film, der für das breite Publikum ein weiteres unterhaltendes Hollywood-Entertainment darstellt, für tatsächlich Musikinteressierte gilt allerdings: diesen Film muss man nicht gesehen haben.

Gig Review: Kaiser Franz Josef – Reign Begins Tour, 27.09.2014

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„Wen habe ich dieses Jahr am Nova Rock Festival verpasst?“ war die Anfangsfrage in meinem Kopf, die mich am Ende zu einem neuen Anhänger einer vielversprechenden Wiener Rockband machen sollte.

Ich durchforstete also das Line Up des Nova Rock 2014 und da las ich es: Kaiser Franz Josef. Von dieser Band hatte ich schon gehört. Nicht, weil sie 2013 im ORF auftraten; nicht, weil sie den Amadeus-Award gewonnen haben (Anm.: 2014, Rock / Hard&Heavy); nicht, weil sie AC/DC-Support waren (!); es war auch keine Verwechslung mit Franz Ferdinand, die vielen passiert. Um ehrlich zu sein: ich kann tatsächlich nicht sagen, warum mir der Name ein Begriff war. Gefolgt war meine Entdeckung von einem noch tatsächlicheren Fluchen, als mir klar wurde, dass ich KFJ am Nova Rock verpasst hatte – ja nicht einmal von ihrem Auftritt wusste!

Nach kurzem Frust und ein paar Klicks landete ich dann allerdings auf der KFJ-Website bei Liste der bevorstehenden Gigs: Samstag, 27. September 2014, Szene Wien, 20:00 Uhr.
Volltreffer!

Um niemanden mehr auf die Folter zu spannen: das Konzert war fantastisch. Es hat alles gepasst – die Band war pünktlich, legte gleich energiegeladen los und brauchte nicht lange, um das Publikum mitzureißen, die Halle war voll.

Neben den bereits bekannten Songs ihres Debütalbums „Reign Begins“ wie beispielsweise Found My Way, How Much Is A Mile oder dem in meinen Augen großartigen Seasons gab es im letzten Drittel des Gigs zwei Überraschungen: zum Einen kündigte Frontmann Hesham Abdelsalam in Schau’mamalwasdarauskommt-Manier ein Cover an. Als die ersten Töne des Intros von Led Zeppelin’s Whole Lotta Love gespielt wurden, wurde ich kritisch. Man muss sich ja nicht immer gleich übernehmen, dachte ich, und meine Euphorie ließ ein gutes Stück nach…allerdings nur um Sekunden später einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Die „Kaiser“ sind sogar einer der meist gefeiertsten Led Zeppelin-Nummern gerecht geworden! Selbst wenn ich von KFJ beeindruckt war: das hätte ich ihnen dann doch nicht zugetraut.

Ab da konnte ich mir sicher sein: als Sänger und Gitarrist weiß nicht nur Sham, was er tut. Tom Pfundners Beats waren präzise gespielt, und nicht nur bei diesem Song hat er richtig reingehauen! Die Jungs setzen sich offensichtlich penibel mit ihrem Material auseinander.
Die zweite Überraschung war ein Acoustic-Song, der nicht auf dem erwähnten Album erscheint. Offenbar trägt er den Namen Release Me und ist Teil des neuen Albums, an dem momentan noch gearbeitet wird. Der ruhige Song kam extrem gut in der Menge an und wurde mit Ausrufen wie „Endlosschleife bitte!“ gepriesen.
Es ist sehr erfrischend, eine Band zu sehen, die sich mehrerer Stilfacetten bedient und diese gut umsetzt. Man wird bei Kaiser Franz Josef hellstimmige, schnelle Rocksongs finden, die mit gekonnten Schreien versetzt werden, als auch balladenartige Songs, bei denen einzelne, lang gehaltene Töne Volumen bringen und für Gänsehaut sorgen.

Das „Reign Begins“-Album habe ich mir schon geholt. Und auch wenn die Qualität der Aufnahmen sehr gut ist: live überzeugt die Band mehr. Das kommt nicht oft vor, kann aber ein entschiedener Vorteil sein, wenn man sich dessen bewusst ist. Bei dem Konzert erreichte Shams Gesang kräftige Tiefen, auf dem Album flacht die Stimme dagegen oft ab.

Ein kurzes Wort zum Support des Abends: The Crispies – einige gute Ideen, ein solider Gitarrist (bei dem auch kurz ein Bottleneck zum Einsatz kam, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht) und ein Sänger, der scheinbar versuchte seine Nervosität in exzentrische Bewegungen zu verpacken, die aber durchaus was für sich hatten! Beim Auftritt  dieser Band kamen einige interessante Gesangselemente wie Seufzen und Stöhnen durch (z.B. bei I’ll Love), leider wurden diese guten Ideen aber durch zu viele Wiederholungen abgeschwächt. Das betrifft auch die Lyrics. Eine Assoziation für mich war Jack White – hier kann man teilweise Einfluss-Ansätze stimmlicher Parallelen zum Sänger der Crispies ziehen. Diese kreative Linie, bei der sich die Band selbst ausprobiert und experimentiert, ist ziemlich aufregend – weiter so!

Der Abend jedenfalls war ein Highlight. Die drei „Kaiser“ wissen genau, wie man das Publikum zu sich ins Boot holt, die Kommunikation hat durchwegs gepasst. Hier hat vor allem auch Bassist Can Aygün für einiges an Stimmung gesorgt.

Um es mit den Worten des >echten< Kaiser Franz Josef zu sagen: „Diese neue Erfindung hat mich sehr interessiert und ich danke für die Vorführung derselben.“

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