Gig Review: Kaiser Franz Josef – Reign Begins Tour, 27.09.2014

Blog, Gig Review

Kaiserlich abgerockt

„Wen habe ich dieses Jahr am Nova Rock Festival verpasst?“ war die Anfangsfrage in meinem Kopf, die mich am Ende zu einer neuen Anhängerin einer vielversprechenden Wiener Rockband machen sollte. Ich durchforstete also das Line Up des Nova Rock 2014 und las: Kaiser Franz Josef. Von dieser Band hatte ich schon gehört. Ich kann aber tatsächlich nicht sagen, warum mir der Name ein Begriff war.

Nachdem mir klar wurde, dass die Gruppe bereits einen Amadeus-Award gewonnen und AC/DC in Österreich supportet hat, entfuhr mir ein lautes Fluchen: Hatte ich KFJ doch tatsächlich am letzten Nova Rock verpasst, obwohl ich dort gewesen war. Nach kurzem Frust und ein paar Klicks landete ich dann allerdings auf der KFJ-Website bei Liste der bevorstehenden Gigs: Samstag, 27. September 2014, Szene Wien, 20:00 Uhr. Volltreffer!

Support: The Crispies

Ein kurzes Wort zum Support des Abends, The Crispies: einige gute Ideen, ein solider Gitarrist (bei dem auch kurz ein Bottleneck zum Einsatz kam) und ein Sänger, der scheinbar versucht, seine Nervosität in exzentrische Bewegungen zu verpacken, die aber durchaus was für sich haben! Beim Auftritt  dieser Band kamen einige interessante Gesangselemente wie Seufzen und Stöhnen durch (z.B. bei I’ll Love), leider wurden diese guten Ideen aber durch zu viele Wiederholungen abgeschwächt. Das betrifft auch die Lyrics. Eine Assoziation für mich war Jack White – hier kann man bescheidene Ansätze stimmlicher Parallelen erahnen. Diese kreative Linie, bei der sich die Band selbst ausprobiert und experimentiert, ist ziemlich aufregend – weiter so!

Schau ma mal, was da rauskommt

Um niemanden mehr auf die Folter zu spannen: das Konzert war fantastisch. Es hat alles gepasst – die Band war pünktlich, legte gleich energiegeladen los und brauchte nicht lange, um das Publikum mitzureißen, die Halle war voll. Neben den bereits bekannten Songs ihres Debütalbums Reign Begins wie beispielsweise Found My Way, How Much Is A Mile oder dem in meinen Augen großartigen Seasons gab es im letzten Drittel des Gigs zwei Überraschungen:

Zum Einen kündigte Frontmann Hesham Abdelsalam in Schaumamalwasdarauskommt-Manier ein Cover an. Als die ersten Töne des Intros von Led Zeppelin’s Whole Lotta Love gespielt wurden, wurde ich kritisch. Man muss sich ja nicht immer gleich übernehmen, dachte ich, und meine Euphorie ließ ein gutes Stück nach… Allerdings nur, um Sekunden später einen neuen Höhepunkt zu erreichen. Die „Kaiser“ sind sogar einer der meistgefeierten Led Zeppelin-Nummern gerecht geworden! Selbst wenn ich von KFJ beeindruckt war: Das hätte ich ihnen dann doch nicht zugetraut.

Ab da konnte ich mir aber sicher sein: Als Sänger und Gitarrist weiß nicht nur Sham, was er tut. Tom Pfundners Beats waren präzise gespielt, und nicht nur bei diesem Song hat er richtig reingehauen! Die Jungs setzen sich offensichtlich penibel mit ihrem Material auseinander.

„Endlosschleife, bitte!“

Die zweite Überraschung war ein Acoustic-Song, der nicht auf dem erwähnten Album erscheint. Offenbar trägt er den Namen Release Me und ist Teil des neuen Albums, an dem momentan noch gearbeitet wird. Der ruhige Song kam extrem gut in der Menge an und wurde mit Ausrufen wie „Endlosschleife bitte!“ gepriesen.

Es ist sehr erfrischend eine Band zu sehen, die sich mehrerer Stilfacetten bedient und diese gut umsetzt. Man wird bei Kaiser Franz Josef hellstimmige, schnelle Rocksongs finden, die mit gekonnten Schreien versetzt werden, als auch balladenartige Songs, bei denen einzelne, lang gehaltene Töne Volumen bringen und für Gänsehaut sorgen.

Reign Begins habe ich mir anschließend beim Merch geholt. Und obwohl die Qualität der Aufnahmen sehr gut ist: Live überzeugt die Band mehr. Das kommt nicht oft vor, kann aber ein entschiedener Vorteil sein, wenn man sich dessen bewusst ist. Bei dem Konzert erreichte Shams Gesang kräftige Tiefen, auf dem Albummix flacht die Stimme dagegen oft ab.

Der Abend in der Szene war jedenfalls ein Highlight. Die drei „Kaiser“ wissen genau, wie man das Publikum zu sich ins Boot holt, die Kommunikation hat durchwegs gepasst. Hier hat vor allem auch der energetische Bassist Can Aygün für einiges an Stimmung gesorgt. Um es mit den Worten des tatsächlichen Franz Josef zu sagen: „Diese neue Erfindung hat mich sehr interessiert und ich danke für die Vorführung derselben.“

Autorin: Robin Frank

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Kaiser Franz Josef
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