Gig Review: Uriah Heep – The Outsider World Tour, 19.11.2014

Blog, Gig Review

„He’s a lonely rider, he is the outsider!“

After years and years of missing this band, it was on 19th of November that I finally got to see Uriah Heep at Szene Wien. It was a tough decision, since Slash played a concert in Vienna on the same day… but I chose Uriah Heep, and was not disappointed.

Formed in London in the year of 1969, Uriah Heep is a band often referred to as one of the „Big Four“ of Hard Rock (next to Black Sabbath, Deep Purple and Led Zeppelin) and a true legend. Having sold millions of records, their latest and 24th studio album Outsider was released in June 2014 and songs from it are performed on the current world tour. The album also features bassist Davey Rimmer, who joined the band after the death of former bassist Trevor Bolder, who died of cancer in 2013.

First things first: the band was definitely worth the wait. They managed not only to fulfill, but to even top all the expectations I had. Apart from  playing and performing brilliantly, they also had a great show and a good setlist. The thing that amazed me most, however, is the atmosphere they managed to create, and the strong presence they had on stage. They seemed to be so excited to be back in Vienna again, yet they radiated that certain professional calmness that only real experts can have. Their joy completely captured the audience, and none of it seemed fake.

When Wednesdays turn into Fridays

Singer Bernie Shaw, who joined the band in 1986 after the death of original singer David Byron, is tremendously talented and has great power in his voice, which he managed to apply on every note. Apart from that, he is a great entertainer, informing the audience about the fact that this Wednesday was „not Mittwoch…just an early Friday!“

Instrumentally, there is truly nothing negative that can be said about this gig, or, in fact, the band itself. Mick Box, guitarist and founding member of the band, had a permanent smile on his face and convinced not only by his skills, but also by his creative guitar tricks and crazy hand moves.

Then there was Phil Lanzon on keys, who joined the band in ’86 and also proved his vocal talent. Lastly, the two „newer“ members, drummer Russell Gilbrook (2007) and left-handed bassist Davey Rimmer (2013), who make a great match and provide the best possible rhythmical basis for Uriah Heeps‘ music. I think I’ve never seen a bass with that long a neck as Rimmer’s.

To hell with three-minute radio songs

The band played songs from the new album such as The Law and the title track The Outsider. Generally, I can truly recommend this latest album, there are great tracks on it with genuine Heep-Sound. Amongst the setlist, they also played Sunrise (a personal highlight for me) and the 10-minute Prog Rock track The Magician’s Birthday (here, Bernie Shaw let us now that they would play this extra-long song, simply because they can, and because they send all those three-minute radio songs to hell). The concert also included the world-famous hits Gypsy, Easy Livin‘ and, of course, Lady In Black, on which the audience transformed into a huge choir.

It is such a great feeling when you get to see musicians who really know what their profession is all about. And after decades of playing, they still manage to deliver such happiness on stage, which makes everybody in the audience forget the world outside for a few hours. Cheers to this gig, cheers to hard rock, cheers to Uriah Heep!

Author: Robin Frank

More info / photo credits:
Uriah Heep
@riff.shift

Gig Review: Roadwolf, 21.11.2014

Blog, Gig Review

Can’t Escape the Metal

Es war ein groß angekündigter Gig, der am Freitag des 21. November im Wiener Escape stattfand. Ein Line-Up aus den drei Bands Diamond Falcon, Roadwolf und Lizzy Borden garantierte einen Heavy-Metal-Abend vom Feinsten.

Ich kam gegen Ende des Auftritts von Diamond Falcon im Lokal an. Mit viel Humor und dem wohl originellsten Mikroständer, den ich je gesehen habe (ein Falke mit leuchtenden Augen war daran montiert) starteten die Musiker energiegeladen in den Konzertabend.

Mein Ziel des Abends war allerdings nicht der Hauptact Lizzy Borden, sondern Support Roadwolf. Mit Diamond Falcon und drei weiteren Bands (Wildhunt, Liquid Steel und High Heeler) bilden Roadwolf die „Austrian Heavy Metal Alliance“ (AHMA): eine Kräftevereinigung, die es sich zum Ziel gemacht hat, den Heavy Metal in Österreich wiederzubeleben, zu unterstützen und in die restliche Welt zu tragen.
Gelungen ist Roadwolf das auf dem Wacken Open Air 2014, ihrem bisher größten Auftritt.

Optik, Präsenz, Show

Dass diese Band was draufhat, erklärt sich also bereits von selbst. Kompromisslos starteten die Musiker mit der Nummer Never Surrender. Eine gute Entscheidung, denn bereits hier war das Publikum gefesselt. Der Gig verlief steil nach oben, mit jedem Song wuchs die Energie im Raum und der Enthusiasmus sowohl auf Seiten der Band als auch des Publikums. Professionell war ein Track gefolgt vom nächsten, es gab keine langatmigen Pausen dazwischen, die die Stimmung dämmten.

Ganz im Gegenteil: hier mussten die Zuhörer nicht einmal dazu aufgefordert werden, Stimmung zu machen: bei einem Roadwolf-Konzert passiert das von selbst. Dadurch, dass die Band neben eingängigen Songs und großartigen Musikern auch Optik, Bühnenpräsenz und einfallsreiche Showelemente vorweisen kann, wird das Publikum positiv gefordert und inkludiert. Und das wird mit entsprechender Stimmung und Resonanz belohnt.

Als vierten Song spielte die Gruppe Pumping Iron, fast schon eine Hymne, wenn man sich ansah, wie viele Leute mitsingen konnten. Nach Wheels Of Fire, einem weiteren Publikumsliebling, wurde Straight Out Of Hell angestimmt. Dieser Song startet etwas langsamer, was einen guten Kontrast in der Setlist bildete, heizt dann aber richtig ein. Fantastisch waren hier vor allem die versetzten Backing Vocals, die ähnlich wirkten wie ein Echo. Bei der letzten Nummer wurde abgestimmt zwischen Condemned To Rock und Roadwolf, wobei letzterer Song das Rennen machte. Kein Wunder: die epische Rocker-Roller-Seeker-Trias der Lyrics findet sich ebenfalls auf den Fan-Shirts wieder, die man auch dieses Mal oft im Publikum erspähen konnte.

Tighte Rhythm-Sektion

Der Sound war gut, besonders den Gesang von Frontmann Aigy konnte man perfekt hören, was sich bei Konzerten oft nicht von selbst versteht. Generell war ich sehr begeistert von der Leistung des bassspielenden Sängers: er hat sich sowohl in den tiefen als auch den hohen Tonlagen bewiesen. Drummer Mano sorgte mit seinen unvorhersehbaren Wahnsinns-Beats für Überraschungen und bildet sichtlich den Anker der Band. Lead-Gitarrist Valentin und zweiter Gitarrist Johnny stellten ihren Teamgeist in Spiel und Performance unter Beweis. Hier merkt man: das funktioniert (obwohl Johnny erst wenige Monate bei Roadwolf ist), der Zuwachs tut der Band offensichtlich gut.

Ich habe nun schon einige Roadwolf-Gigs gesehen, nach diesem kann ich aber getrost sagen: das war der beste. Eine Steigerung ist definitiv zu verzeichnen, die Musiker wissen, was sie wollen und wie das am besten umzusetzen ist.
Ich bin nicht per se im Heavy Metal zu Hause, aber diese Band bietet diesen großartigen back-to-the-roots Sound der 70er/80er Jahre (NWOBHM – New Wave of British Heavy Metal), der einfach nur gefallen kann. Eine klare Empfehlung – verpasst sie das nächste Mal nicht!

Autorin: Robin Frank

Mehr Info / Photo Credits:
Roadwolf
Diamond Falcon
AHMA
@riff.shift

Gig Review: Pink Moon, 18.11.2014

Blog, Gig Review

„Guat…longe Hoar und Glock’nhos’n!“

Wieder war ich unterwegs ins BACH, zu zwei mir bereits bekannten Bands: Die veranstaltende Gruppe des Abends und der erste Auftritt waren Pink Moon, ein Rocker-Quartett aus Wien. Optisch machen die (großteils) langhaarigen Musiker auf jeden Fall was her – „Guat…longe Hoar und Glock’nhos’n!“ wurde im Publikum korrekt festgestellt. Glockenhosen, lange Haare und viel Schmuck – so sieht Alexander Baulesch, der Frontmann, aus.

Von Lagerfeuern und Geigenbögen

Die Band spielte etwa zehn Songs in gut einer Stunde und lud das Publikum dabei ein, auf eine hochqualitative Rock-Reise zu gehen. Gitarrist Rayno Tchobanov spielt technisch einwandfrei, vor allem das Solo in der ersten Nummer Bonfire war großartig. Hier ist klar: den Zuhörern wird Niveau geboten. Definiert wird der Sound von Pink Moon vor allem durch den untypischen Bass, der in dieser Konstellation eher als zweite Gitarre fungiert. Das merkt man vor allem durch das Einbauen diverser Licks und Soli – beispielsweise bei der Nummer Sweet: hier wird ein so einprägsamer Bassriff gespielt, den man auch dann nachsummen könnte, würde man um fünf Uhr morgens geweckt werden.

Sogar ein Geigenbogen kam bei der Performance zum Einsatz. Leider hat die Technik nicht optimal funktioniert – die Band hörte auf ihren Monitoren den Bass kaum bis gar nicht. Dass dies ein Vielfaches an Konzentration verlangt und gleichzeitig die Unsicherheit steigert, ist klar. Ein paar „Verspieler“ waren also bei den Partnern Bass und Schlagzeug (Michael Fischer) dabei. Nichtsdestotrotz: im Publikum hat es sich gut angehört, wie mehrfach bestätigt wurde.

Gesangstechnisch ist zu sagen, dass Sänger Alexander Baulesch eine sehr hohe Stimme hat. Diese ist in jedem Fall ansprechend, vor allem bei diversen Schrei-Parts, allerdings ist es schade, dass der Gesang eben ausschließlich hoch ist. Optimal wäre es, eine tiefere Basis zu haben, auf der hochstimmige Highlights gesetzt werden. Dadurch würde der Gesang noch besser zur Geltung kommen und es wäre für mehr Abwechslung gesorgt.

Das Tolle an Pink Moon ist die ehrliche und seriöse Art, Musik zu produzieren und präsentieren. Hier wird nicht vom Wesentlichen abgelenkt, was man findet ist guter, solider „Old School“ Hard Rock, der es schafft, den Zuhörer einzufangen, manchmal auch in Trance zu versetzen. Bei dieser Band gilt: zum nächsten Gig kommen und sich selbst überzeugen, es zahlt sich aus!

Knusprig?

Der zweite Act des Abends, Crispies, folgte kurz darauf. Das erste Mal habe ich die Musiker als Vorband von Kaiser Franz Josef im September 2014 gesehen (Review hier). Offensichtlich re-inspiriert von Jack White (Review hier) ging der Frontmann abermals total aus sich raus, sowohl in Bewegung als auch in Gesang.

Der Top-Titel Drowning Horse geht besonders ins Ohr, Abwechslung zu den sonst schnellen Stonerrock-Nummern bietet der Settle Down Blues, wenngleich die Musiker an ihrem Blues-Feeling teilweise noch feilen müssen. Trotzdem stellt der Sänger hier die Spannweite seiner Stimme unter Beweis. Bass und Linkshänder-Gitarre(n) brachten eine sehr gute Leistung, der Drummer war mir allerdings neu. Hier meine ich, in der Szene Wien – wo mir die Band etwas besser gefallen hat –  jemand anderen am Schlagzeug gesehen zu haben.

Zwischen den beiden Bands entsteht ein interessantes Gefälle: Zwar ist keiner der Frontmänner bewegungsscheu, bei der Kommunikation mit dem Publikum hapert es allerdings noch. Bühnenpräsenz ist bei den Crispies mehr vorhanden als bei Pink Moon (vor allem beim Gitarristen), dafür fehlt es den Songs der Crispies daran, wovon Pink Moons reichlich haben: Melodie und Harmonie.

Autorin: Robin Frank

Mehr Info / Photo Credits:
Pink Moon
Crispies
@riff.shift

Gig Review: Jack White – Lazaretto Tour, 11.11.2014

Blog, Gig Review

Where the Real Stuff Happens

Not being all too thrilled with Jack White’s latest album (Lazaretto), I did not pay very much attention to his tour dates. When I found out that he was going to come to Vienna, however, all the tickets were sold out, of course. To my luck, I found somebody who sold his ticket to me last minute.

The support, Lucius, was already playing the last songs when I entered the hall. To be honest, I was not convinced. They sounded very artificial, and I could not exactly identify the style they were trying to head at. It was something Indie-Pop-like.
It was after a few minutes that I actually saw them: two female (twins?) singers, looking identical, plus musicians who were supposed to lead the crowd into a great rock night. But neither the band nor the audience seemed particularly interested in making that part of the show something special. Honestly: Lucius was one of those support groups that you can skip without regret.

No phones allowed

The main act was planned to start at 21:00. After a delay of about twenty minutes, a memorable announcement was made on stage. The speaker talked of the band being happy to play in Vienna, and informed the audience about the fact that professional photos would be taken throughout the whole concert. These would then be uploaded a.s.a.p. after the show and available for free downloading on Jack White’s website. He explained that this arrangement was made in order not to have phones pointing up from the audience the whole time, because „that thing in your hand is not nearly as good as what you can see with your eyes, and listen to with your heart.“

A few minutes later, the curtain was drawn, revealing a simple stage-set flooded with blue light. There were no banners or animations (not even the screens beside the stage were switched on), everything was kept simple. Jack White, supported by four other musicians, started with a few fast rock songs. That was principally a good way to start, but the thing is that the location (Gasometer Wien) has a truly horrible sound. White’s guitar, as well as the other instruments, sounded really dry. Because of that, the songs (and soli) lost a lot of power and/or were not pleasant to listen to, and therefore tiring.

The band continued with a few country songs, which were really great, because they made such a nice contrast to the other style(s) the guys were playing. During one song, White even sat down on a piano chair (with his guitar still in hand!) and kept switching instruments back and forth. Even before the singer told the audience about it, you could already hear the influence from Nashville, the city he lives in now. At one stage, when he introduced all the band members to the audience, he explained different sounds and styles, accompanied by a solo of the musician currently presented, depending from where they originally come from.

The two-hour „encore“

The band went off stage after 45 minutes, but came back to play an encore (if you can actually still call it that) that lasted almost two hours. The spirit of the band, as well as their endurance, is to be highly praised. Nevertheless: people were getting tired, and so was the band. What you saw when you looked around yourself were static, sometimes even bored faces, and a band that gradually lost its energy. Toward the end, even though it did not seem like they didn’t enjoy playing, they were simply out of fuel.

Many songs sounded quite alike, or had outros that were simply too long, which was particularly tiring because of the bad sound I mentioned before. Instead of including a few more full songs, there was a lot of instrumental improvisation going on. Not that I’m not a fan of that, but in this case it was mostly dull repetition. The best songs, in my mind, were Steady, As She Goes (by The Raconteurs), Whispering Sea (a Loretta Lynn cover), and especially the White Stripes’ track My Doorbell.

Down to Seven Nation Army business: of course he played it. Of course it was the last number. Of course the audience went mad. But, honestly, it should have come before. I could not tell whether he played it just because it was expected of him, or whether he actually enjoyed it. By keeping the song short, however, and sort of „overriding“ it, not paying a lot of attention to neither vocals nor guitar, the song did not turn out to be the climax of the evening.

Mixed feelings

The thing that really did impress me, however, was the things Jack White told the audience. He started his nostalgic notions by stating how no average teenager of today could tell „what makes the sound on a record“, and listed several examples of today’s trivial artists such as Taylor Swift, Katy Perry and Lady Gaga. What he did is remember everybody in the hall what music is really about, and that most of it is going in a wrong direction.

I went out of the venue with mixed emotions that night. On the one hand I struggled with my unfulfilled expectations, while on the other I felt White had really brought that sense of spirit and musical purity among the audience of what this form of art is actually and truly about. It is thus no wonder that Robert Plant has communicated the wish to record a single with him (apparently Love Me, originally by The Phantom). The two musicians really make a perfect match, ideologically as well as musically.

The thing that’s left for me to say: I do not regret having gone to this show. Just by having been part of the audience, you got the feeling that Jack White actually cherished your being there, as a part of where the real stuff happens.

Author: Robin Frank

More info / photo credits:
Jack White

Gig Review: Tarchon Fist, Old Steam Machine, et al., 06.11. & 09.11.2014

Blog, Gig Review

Steamin‘ Away

…ein Mehrfach-Review über zwei Abende in Wien mit u.a. King Kinski, High Heeler, TARCHON FIST und Old Steam Machine.

06.11.2014: Replugged Vienna

Es war ein stolzes Line-Up aus vier Bands, die am Abend des 6. November im Wiener Replugged das Publikum bespielten. Den Anfang bildete eine Band, die (noch?) keinen Namen hat und daraufhin vom Veranstalter (Overdub) Special Guest getauft wurde (was eigentlich kein schlechter Bandname wäre, wie man dann Backstage anmerkte). Mit Schlagzeug, Gitarre und einer singenden Bassistin war es vor allem das Saxophon an der Front, das für dynamische Sounds sorgte. Die Nummern der Band waren eher langsam (vor allem im Vergleich zu den drei folgenden Bands), gingen teilweise schon in Richtung Psychedelic/Trance und lieferten somit einen gemächlichen Einstieg in den Konzertabend.

Weiter ging’s mit Stories Of Us, einem Trio, das sich selbst dem Alternative (Pop-)Rock zuordnet. Das, was Special Guest an Dynamik fehlte, hatte Sänger Max Payer wohl im Überfluss. Vorweg ist zu sagen: diese Band hat in der aktuellen Besetzung (seit 2013) keine/n BassistIn. Dass daher ein tragendes Element fehlte, ist klar. Trotzdem war der Gesamtsound der Band in Ordnung. Die Songs waren schon wesentlich schneller, als bei der vorigen Band, allerdings auch kürzer und gingen mehr in Richtung Pop. Selbst würde sich die Band am ehesten mit You Me At Six vergleichen. Zu loben ist der Einsatz des Sängers, der von der ersten Sekunde an viel Energie in die Bühnenpräsenz und die Kommunikation mit dem Publikum steckte. Dies ging sogar so weit, dass er zu einem Zeitpunkt des Auftritts einen Kniefall machte. Hier sollte man vorsichtig sein: bei so viel Bewegung kann der Gesang unter Ablenkung und Unsicherheiten leiden, was hier teilweise passiert ist. Ziemlich mutig war es außerdem, mit einer vergleichsweise ruhigen Nummer abzuschließen.

Die dritte Band des Abends trägt den Namen King Kinski. Hier war ein grandioser Bassist vorhanden – eine/n SängerIn suchte man allerdings vergeblich: die Wiener Band ist nämlich rein instrumental unterwegs. Und das ziemlich virtuos, da sich die Musiker dem Metal verschrieben haben. Es ist zwar Geschmackssache, ich allerdings habe den Instrumentalauftritt sehr geschätzt – hätte es Gesang gegeben (der sicherlich nicht zahm ausgefallen wäre), dann wären die Instrumente kaum so gut zur Geltung gekommen. An Kommunikation und Einbindung des Publikums könnte hier allerdings noch gearbeitet werden – den Bassisten sah man beispielsweise den Großteil des Auftritts über nur von dessen Kehrseite.

Dann betrat Old Steam Machine (OSM), die letzte Band und Hauptact des Abends, die Bühne. Gegründet im Jahr 2004 ist der Name dieser Gruppe bereits vielen Wiener MusikerInnen ein Begriff. In der aktuellen Besetzung gibt es die Band seit 2014, Drummer Alberto Pierini heuerte vor gut einem halben Jahr bei den Musikern an. Warmgespielt haben sich die fünf Mitglieder vor einigen Wochen bei einem inoffiziellen Gig im Wiener Weberknecht, sozusagen als Generalprobe nach relativ langer Bühnenabwesenheit.

Der erste Song der Band am Abend im Replugged trägt den Namen Track Be Our Friend, eine dynamische Einstiegsnummer. Gleich war klar: diese Band befindet sich stil-/genremäßig in einer guten Mitte, die von Sänger Alessandro Wessely gerne als „Melodic Hard Rock“ beschrieben wird. Veranschaulicht – oder genau genommen veranhörlicht – wird dieses Gefälle einerseits durch ihre harten Songs wie Mighty Green und Nightmare, andererseits durch die tiefsinnigen, melodischen Songs, die Namen tragen wie These Days und Memories.

Dass sich die Gruppe wieder an die Bühne – und das Teamwork auf der Bühne – gewöhnen muss, war nach der langen Durststrecke spürbar. Leichte Unsicherheiten kamen bei allen Mitgliedern im Laufe des Auftritts vereinzelt vor. Fest steht aber, dass sich OSM musikalisch und instrumental auf extrem hohem Niveau bewegt. Die Band versteht es, eingängige Gitarrenriffs und -soli von Patrick Lary mit starken Bass-Lines von Felix Mikusch und Alessandro Wesselys tiefer, kraftvoller Stimme und ausdrucksstarken Texten zu kombinieren.

09.11.2014: das BACH Wien

Hier möchte ich an den zweiten Abend anknüpfen, bei dem OSM den Opener für den der Wiener Heavy Metal-Band Roadwolf organisierten „Metal Blast“ bildete. Im Vergleich zum vorigen Konzert war hier eine deutliche Steigerung zu verzeichnen. Die Show kam insgesamt stimmiger und entspannter rüber – auch wenn aufgrund der kürzeren Setlist und dem Motto des Abends nur die harten Songs gespielt wurden. Vor allem bei Drummer Alberto merkt man, dass das Spielen immer besser funktioniert und er seinen Weg Schritt für Schritt findet.

Gitarrentechnisch muss erwähnt werden, dass das einzigartige Spiel von Patrick Lary abermals enormen Eindruck hinterlassen hat. Leider gab es jedoch Probleme mit der Einstellung des neuen Verstärkers, weshalb die Gitarre prinzipiell nur auf Distortion gestellt war, und nicht Clean gespielt werden konnte. Dies war aber im Kontext des Abends, der wie erwähnt auf Heavy Metal fokussiert war, passend.

Der Frontmann experimentierte bei diesem Gig stimmlich noch mehr und überzeugte sowohl in den tiefen als auch den hohen Tönen, es gab nur wenige Unsicherheiten. Einziger Wermutstropfen: Keyboarder Hagoles war bei den beiden offiziellen Auftritten leider nicht dabei – bestimmt ist aber beim nächsten Auftritt wieder mit ihm zu rechnen. Als Fazit zu dieser Band lässt sich sagen, dass man hier viel erwarten darf – und noch mehr geboten bekommt. OSM besticht durch einen eigenen Sound mit Wiedererkennungswert und einprägsamen, runden Songs. Die Band befindet sich auf dem richtigen Weg.

An diesem Abend spielten auch die Musiker der Wiener Band High Heeler, beheimatet im Heavy Metal. Hier wird Wert auf Show und Optik gelegt – schrille Outfits und ausgefallene Gitarren – darf man vielleicht schon Glam Metal dazu sagen?

Der Hauptact des Abends kommt aus Italien: Heavy Metal Rockers TARCHON FIST. These five guys really know how to make a great show! Singer Mirco Ramondo has real power in his voice and knows exactly how to include the audience, building up maximum spirit for the evening.

Two solid guitarists (Luciano Tattini on rhythm and Sergio Rizzo on lead guitar), bassist Marco Pazzini and crazy drummer Andrea Bernabeo make up the necessary frame for a great, energy-driven heavy metal band. The band has great material which is to be found on their various albums and compilations, but also their covers were well done: Iron Maidens‘ Run To the Hills and Judas Priests‘ Breaking the Law drove the audience mad.

The last song – AC/DCs‘ Highway to Hell – rounded off the show and started the real party: the band told the audience to come up for a stage invasion, while the musicians themselves went down and continued playing from there. While taking a photo, I, too, was charmingly „kidnapped“ by singer Ramon and moved up to the stage as well. TARCHON FIST: it was a real pleasure to hear and see you play and my thanks to you for making this a truly memorable night! The next time we will come and see you in Italy!

Autorin: Robin Frank

Mehr Info / Photo Credits:
Tarchon Fist
High Heeler
Old Steam Machine
King Kinski
@riff.shift

Gig Review: Blank Manuskript, 07.11.2014

Blog, Gig Review

Der Abend des 7. November im BACH bot ein harmonisch-abwechslungsreiches Line-Up fürs Publikum. Fünfzehn MusikerInnen, drei Bands – je fünf ArtistInnen pro Gruppe – sorgten für eine akustische Erlebnisreise. Den Einstieg machte die Band My Solace Lies. Die Steirer, die erst im Oktober 2013 zueinander gefunden haben, bewegen sich laut eigener Angabe zwischen Pop und Alternative. Bei einem Mix von melancholisch-ruhigen als auch vielen schnellen Nummern ist hier das Arrangement mit Sänger/Keyboarder Iscariot als Frontmann interessant.

Prog Rock mit Mind[s]peak

Weiter ging’s mit Progressive Rock und der Wiener Band Mind[s]peak. Mit ihrem Debütalbum Pictures hat sich die 2009 gegründete Gruppe bereits einen Namen gemacht. Instrumental geht es hier – typisch Prog-Rock – ums Experimentieren. Dass die Gruppe sich mit jeder Nummer auf ein musikalisches Abenteuer begibt, macht die Dynamik und Ausstrahlung der Band aus.

Solide Riffs am fünfsaitigen Bass von Simon Nagy und tightes Handwerk an den Drums (Gabriel Lahrmann), präzises Gitarrenspiel (Alex Clément) und Keyboard-Elemente (Christoph Kasparovsky) bilden die Basis für die Überraschungen, die Mind[s]peak zu bieten haben.

Zu erwähnen ist hier insbesondere der Titel Tragedy of Perfection, der aus mehreren Teilen besteht und mit seinen 12:35 Minuten ein tiefes Eintauchen in die Band-Materie erlaubt. Ein Highlight war bei diesem Song vor allem der – leider etwas kurze, dafür aber sehr effektvolle – a cappella-Teil, bei dem alle Anwesenden hellhörig wurden. Sängerin Viktoria Simon hat eine sehr klare und relativ hohe Stimme, die jedoch im instrumentalen Kontext der Band eher unerwartet hervorstach. Bei den Backing Vocals der Kollegen hätte ich mir daher zum Ausgleich eher tiefere Stimmen gewünscht. In jedem Fall ist Mind[s]peak eine Band, die man nicht unterschätzen sollte – hier kommt sicherlich noch einiges auf uns zu!

Art Rock mit Blank Manuskript

Als dritte und letzte Band betraten schließlich Blank Manuskript die kleine Bühne des Wiener Lokals. Was sofort beeindruckt: in dieser Band wird der Gesang nicht von nur einer Frontperson getragen – er wird aufgeteilt. Und das auf alle Mitglieder. Gegründet 2009 sind in der aktuellen Besetzung noch die beiden ursprünglichen Mitglieder Dominik Wallner (Keys) und Alfons Wohlmuth (Bass, Querflöte) zu finden. Die drei weiteren Musiker Jakob Aistleitner (Saxophon, Querflöte, u.a. Blasinstrumente), Peter Baxrainer (Gitarre) und Jakob Sigl (Schlagzeug) haben im Laufe der Zeit ihren Weg zur Band gefunden und bilden nun ein Team aus hochtalentierten Musikern mit großer Vision.

Definiert wurde der Stil der Band offenbar erst durch die Medien. Die Musiker selbst wollen jedoch Geschichten erzählen und bewusst die 3-Minuten-Radio-Schiene meiden. Dass sie sich in ihren Werken also Elementen bedienen, die im Art-Rock bei Bands wie Pink Floyd, Yes, Genesis, King Crimson & Co. zu finden sind, die sich durch eine ähnliche Mentalität auszeichnen, verwundert nicht.

Das Großartige an der Musik von Blank Manuskript ist, dass sie den HörerInnen die Möglichkeit gibt, einzutauchen und sich in den vielfältigen Klangarrangements (sei es eine Fuga am Klavier oder ein dynamisches Solo am Saxophon) fallen zu lassen. So ist es mir bei dem Konzert auf jeden Fall gegangen. Auch das Shine On You Crazy Diamond-Cover, welches die Band als Zugabe zum Besten gab, war ein besonderes Extra dieses Abends. Und so sehr das Publikum sich über den Pink-Floyd-Song gefreut hat: er wäre nicht mehr notwendig gewesen, um auf ganzer Linie zu überzeugen. Dass die Gruppe den Track allerdings (vor allem instrumental) so großartig gecovert hat, hebt den Respekt auf ein noch höheres Level.

Alle Songs als in sich geschlossene Gesamtkunstwerke, die untereinander doch verknüpft sind, um einzigartige Konzeptalben zu schaffen – so kann man die Musik von Blank Manuskript beschreiben. Bereits zwei Alben (Tales From An Island und A Profound Path) wurden veröffentlicht, das dritte (The Waiting Soldier) ist noch in Arbeit. Ich bedanke mich für einen wirklich gelungenen Abend. Auf ein Konzert zu gehen, unwissend, was einen erwarten wird, hat (leider) nur selten ein optimales Ende. Der Abend des 7. November war allerdings eine solche Ausnahme, besser geht es nicht!

Autorin: Robin Frank

Mehr Info / Photo Credits:
My Solace Lies
Mind[s]peak
Blank Manuskript
@riff.shift

Film Review: „Get On Up“

Blog, Film Review

„The funk don’t quit!“

Das neue James-Brown-Biopic feierte am 9. Oktober 2014 Premiere in Deutschland. Regisseur Tate Taylor hat mit u.a. Mick Jagger („Jagged Films“) als Produzenten und Chadwick Boseman in der Hauptrolle ein wahres Funk-Spektakel kreiert.

In prekären Verhältnissen aufgewachsen landet Brown als Jugendlicher im Gefängnis, wo er auf Musiker Bobby Byrd trifft, der sein Gesangstalent entdeckt und ihn alsbald von dort rausholt. Die beiden sind ab diesem Zeitpunkt unzertrennlich und formen Byrds bestehende Band bei einer spontanen „Stage-Invasion“ in der Pause eines Little Richard-Konzerts in die Famous Flames um. So wird aus der ehemaligen Gospelgruppe eine Funk-/Soulband mit James Brown als Frontmann.

Die Spirale des Ruhms ist nach einem Plattenvertrag bei „King Records“ nicht mehr aufzuhalten – Brown wird zum Weltstar und einem der einflussreichsten und für sämtliche Nachfolgemusiker prägendsten Künstler. Wie bei so vielen anderen Berühmtheiten allerdings steigt auch ihm der Erfolg zu Kopf, woraufhin Brown einige Fehlentscheidungen trifft. Die Auseinandersetzung mit seinen Mitmenschen und letztlich sich selbst zieht sich als tiefgreifendes Thema durch den gesamten Film.

„If it sound good and it feel good, then it’s musical“

Der Film folgt prinzipiell einer chronologischen Basis, springt jedoch oft zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umher. Manchmal verliert man daher kurz die Orientierung – vor allem anfangs, wenn man noch nicht an den Aufbau gewöhnt ist. Achtet man jedoch auf die eingeblendeten Jahreszahlen, findet man sich schnell zurecht.

Get On Up ist in der Tat ein Biopic – ein „biographical film“. Doku braucht man hier keine erwarten – der Film könnte auch ohne Realitätsbezug gemacht worden sein und dabei beeindrucken. Er hat eine spannende Handlung und viele Charaktere zu denen ein persönlicher Bezug hergestellt wird. Auch die Beziehungen unter den Personen selbst werden stark thematisiert, wie etwa das Verhältnis von Brown zu seiner Mutter oder seinem besten Freund Bobby Byrd.

Das Biopic wirkt mit 139 Minuten ziemlich lang – die Zeit vergeht aber wie im Flug. Eigentlich hätte der Film auch doppelt so lange ausfallen können: Vieles aus Browns Leben – einige Personen, die ihn beeinflussten, oder Erfolge, die er feierte – wird gar nicht erwähnt. Wahrscheinlich ist im Format eines Films Akribie aber auch nur bis zu einem bestimmten Grad umsetzbar.

Chadwick Boseman überzeugt als James Brown

Besonders großartig sind in jedem Fall die Musikszenen wie Proben, Auftritte, etc., von denen man als ZuseherIn und -hörerIn nicht genug bekommen kann. Chadwick Boseman hat die Tanzchoreographien für den Film sechs Stunden täglich trainiert und meistert bspw. den „Mashed Potato“ beinahe genau so gut wie der „echte“ James Brown. Was den Gesang betrifft: es werden zwar in den meisten (Konzert-)Szenen optimierte Originalaufzeichnungen von James Brown verwendet, ab und zu singt Boseman jedoch wirklich selbst – und das alles andere als schlecht! Von Mimik, Gestik und Sprache her hat Boseman sein Spiel im Grunde zur Perfektion gebracht.

Neben der Tatsache, dass dieser Film eine grandiose Unterhaltung darstellt, bekommt man dank ihm auch die Gelegenheit, tief in den Sound und den Stil von James Brown einzutauchen und den totalen, eigenen Groove einer ganzen Ära bedeutender Musik zu fühlen. Ich spreche hiermit eine ganz klare Empfehlung aus, sich diesen Film anzusehen – man wird es nicht bereuen. Denn schließlich sind die behandelten Genres (R’n’B, Funk und Soul) mitunter die Vorreiter so vieler anderer großartiger Stile und Künstler der (Rock’n’Roll-)Musikgeschichte, aber auch in sich selbst ein fantastisches Gesamtkunstwerk – welches man entsprechend würdigen sollte.

Autorin: Robin Frank