Gig Review: Pink Moon, 18.11.2014

Blog, Gig Review

„Guat…longe Hoar und Glock’nhos’n!“

Wieder war ich unterwegs ins BACH, zu zwei mir bereits bekannten Bands: Die veranstaltende Gruppe des Abends und der erste Auftritt waren Pink Moon, ein Rocker-Quartett aus Wien. Optisch machen die (großteils) langhaarigen Musiker auf jeden Fall was her – „Guat…longe Hoar und Glock’nhos’n!“ wurde im Publikum korrekt festgestellt. Glockenhosen, lange Haare und viel Schmuck – so sieht Alexander Baulesch, der Frontmann, aus.

Von Lagerfeuern und Geigenbögen

Die Band spielte etwa zehn Songs in gut einer Stunde und lud das Publikum dabei ein, auf eine hochqualitative Rock-Reise zu gehen. Gitarrist Rayno Tchobanov spielt technisch einwandfrei, vor allem das Solo in der ersten Nummer Bonfire war großartig. Hier ist klar: den Zuhörern wird Niveau geboten. Definiert wird der Sound von Pink Moon vor allem durch den untypischen Bass, der in dieser Konstellation eher als zweite Gitarre fungiert. Das merkt man vor allem durch das Einbauen diverser Licks und Soli – beispielsweise bei der Nummer Sweet: hier wird ein so einprägsamer Bassriff gespielt, den man auch dann nachsummen könnte, würde man um fünf Uhr morgens geweckt werden.

Sogar ein Geigenbogen kam bei der Performance zum Einsatz. Leider hat die Technik nicht optimal funktioniert – die Band hörte auf ihren Monitoren den Bass kaum bis gar nicht. Dass dies ein Vielfaches an Konzentration verlangt und gleichzeitig die Unsicherheit steigert, ist klar. Ein paar „Verspieler“ waren also bei den Partnern Bass und Schlagzeug (Michael Fischer) dabei. Nichtsdestotrotz: im Publikum hat es sich gut angehört, wie mehrfach bestätigt wurde.

Gesangstechnisch ist zu sagen, dass Sänger Alexander Baulesch eine sehr hohe Stimme hat. Diese ist in jedem Fall ansprechend, vor allem bei diversen Schrei-Parts, allerdings ist es schade, dass der Gesang eben ausschließlich hoch ist. Optimal wäre es, eine tiefere Basis zu haben, auf der hochstimmige Highlights gesetzt werden. Dadurch würde der Gesang noch besser zur Geltung kommen und es wäre für mehr Abwechslung gesorgt.

Das Tolle an Pink Moon ist die ehrliche und seriöse Art, Musik zu produzieren und präsentieren. Hier wird nicht vom Wesentlichen abgelenkt, was man findet ist guter, solider „Old School“ Hard Rock, der es schafft, den Zuhörer einzufangen, manchmal auch in Trance zu versetzen. Bei dieser Band gilt: zum nächsten Gig kommen und sich selbst überzeugen, es zahlt sich aus!

Knusprig?

Der zweite Act des Abends, Crispies, folgte kurz darauf. Das erste Mal habe ich die Musiker als Vorband von Kaiser Franz Josef im September 2014 gesehen (Review hier). Offensichtlich re-inspiriert von Jack White (Review hier) ging der Frontmann abermals total aus sich raus, sowohl in Bewegung als auch in Gesang.

Der Top-Titel Drowning Horse geht besonders ins Ohr, Abwechslung zu den sonst schnellen Stonerrock-Nummern bietet der Settle Down Blues, wenngleich die Musiker an ihrem Blues-Feeling teilweise noch feilen müssen. Trotzdem stellt der Sänger hier die Spannweite seiner Stimme unter Beweis. Bass und Linkshänder-Gitarre(n) brachten eine sehr gute Leistung, der Drummer war mir allerdings neu. Hier meine ich, in der Szene Wien – wo mir die Band etwas besser gefallen hat –  jemand anderen am Schlagzeug gesehen zu haben.

Zwischen den beiden Bands entsteht ein interessantes Gefälle: Zwar ist keiner der Frontmänner bewegungsscheu, bei der Kommunikation mit dem Publikum hapert es allerdings noch. Bühnenpräsenz ist bei den Crispies mehr vorhanden als bei Pink Moon (vor allem beim Gitarristen), dafür fehlt es den Songs der Crispies daran, wovon Pink Moons reichlich haben: Melodie und Harmonie.

Autorin: Robin Frank

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Pink Moon
Crispies
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