Festival Review: Sonic Heartbreak Festival, 28.11.2014

Blog, Festival Review

Hier folgt das Review über die beiden Wiener Bands FREDDIE RED und BREWTALITY, die ich mir am Abend des 28. November in der Szene Wien im Rahmen des diesjährigen Sonic Heartbreak Festivals angesehen habe.

Weniger ist mehr

FREDDIE RED ist eine authentische Rock’n’Roll Band, die aktuell aus vier Mitgliedern besteht. Darunter befinden sich Flo Weninger (Gitarre, Vocals), Raphael Weninger (Gitarre), Claus Trophobia (Bass) und Markus Graf Gabriel (Drums). Die 2010 gegründete Gruppe kann neben dem selbstgegründeten Label FREDDIE RED Records auch das Debütalbum FREDDIE RED ON FIRE vorweisen.

Unvoreingenommen lauschte ich dieser Band, die mich mit dem ersten – und sehr eingängigen – Titel Be A Rocker begeisterte. Hier passte viel: Fantasie, Melodie, Energie. Das Kapital von FREDDIE RED ist unbestritten Sänger und Gitarrist Flo Weninger. Prinzipiell hat der Frontmann eine eher tiefe und rauchige Stimme, was im Grunde immer gut ankommt. Trotzdem schlägt er manchmal auch höhere Töne an und traut sich zu schreien, wie etwa bei dem Titel I’m On Fire. Hier allerdings Vorsicht: da zu viel Geschrei schnell unmelodisch klingen kann, gilt „weniger ist mehr“.

Unsicherheiten konnte ich keine ausmachen, der Gesang hat überzeugt. Auch an der Gitarre stellte der Sänger sein Können unter Beweis, wobei es jedoch den Anschein hatte, dass ein leises Ungleichgewicht zwischen dem Spiel beider Gitarristen herrscht. Hier fände ich eine überarbeitete (Soli-)Aufteilung besser.
Überraschende Dynamik beim Bassisten: als offenbar agilstes aller Bandmitglieder hatte er den größten Bewegungsradius von allen und widerlegt somit gekonnt das Faulheits-Klischee, das BassspielerInnen anhaftet.

Nicht ganz zufrieden war ich mit der Setlist, einige Songs fehlten mir, wie zum Beispiel Better Days, I Want You und vor allem Thinkin‘ About You. Zwar ist letzterer nicht mein Favorit, wohl aber der Song der offenbar für die stärkste Publikumsresonanz sorgt. Es ist ein vergleichsweise ruhig und einfach gehaltener Song, der sofort ins Ohr geht und auch dort bleibt. Perfekt, um Abwechslung in den Auftritt zu bringen und sich neue Fans ins Boot zu holen – warum also nicht spielen? Vor allem hätte er doch so gut zum Motto des Festivals gepasst…

Nicht so brutal wie erwartet

Eine Band, die massenhaft Live-Erfahrung mitbringt – hat sie sich doch (in diversesten Formationen) in über zehn Jahren durch so gut wie alle Wiener Konzertlokale gespielt – ist BREWTALITY. Ein Power-Trio, das seinen Einfluss vorwiegend aus den 70ern zieht und dabei aber laut Bassist David Zenz „keine Kopie der 70er sondern eigentlich eine Weiterentwicklung“ verkörpert. Mit Ben Arslan an den Drums und Alexander Karlin als Sänger und Gitarrist ist eine Band entstanden, die mich vor allem durch die starke Bühnenpräsenz aller Mitglieder beeindrucken konnte.

Neben der guten Leistung an den Instrumenten sehe ich die Baustelle dieser Gruppe beim Gesang (hauptsächlich beim Frontmann aber auch bei den Backing Vocals). Zwar gibt es aufregende Screamings, die gut gelingen, vor allem aber bei diversen Refrains (wie u.a. von For A Weekend oder Lovestick Jungle) sind falsche Töne dabei, die dort nicht hingehören.

Überrascht hat mich das Cover des Deep Purple Songs Highway Star. Nicht, weil der Stil des Songs und dessen Interpreten nicht zu BREWTALITY passen würden, sondern weil ich die Band zugegeben eher als Cover-Verweigerer eingeschätzt hätte. Prinzipiell finde ich es sehr gut, wenn Bands bei Konzerten auch Cover spielen. Sie müssen allerdings gut ausgesucht und performt werden. Ist das der Fall, wird eine Serie von Vorteilen ausgelöst: das Publikum kennt den Song, singt mit, tanzt, die Stimmung steigt – und das resultiert in erhöhter Aufmerksamkeit und Akzeptanz der ZuhörerInnen für die Band.

Autorin: Robin Frank

Mehr Info / Photo Credits:
FREDDIE RED
BREWTALITY
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