Gig Review: Psycho Village, 30.10.2015

Blog, Gig Review

Am Abend vor Halloween versammelten sich sechs Bands im Wiener Viper Room zu einem musikalischen Potpourri:

apollon’s return
Still Thinking
Rocky Mc Callister
Pink Moon
Psycho Village
Shade of Illusion

 

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Ich traf zum Beginn der Gruppe Rocky Mc Callister ein, die beim Soundcheck – zu meiner Freude – etwas punkig klangen. Die 2012 gegründete Band aus Strasshof, bestehend aus vier Musikern (Josko – Vocals/Guitar, Bizzy – Vocals/Guitar, Börni – Vocals/Bass/Trumpet & Matuz – Drums) konnte mich allerdings nicht überzeugen. Denn obwohl das Repertoire der Truppe durchaus sing-along Material beinhaltet (was ja zur Fan-Gewinnung kein schlechter Ansatz ist), handelt es sich beim Frontmann um einen der stimmlich wenig begabten Sorte. Töne-Treffen kam hier nur selten vor, gleiches gilt für die Backing Vocals des Bassisten. Die des zweiten Gitarristen waren stimmlich zwar schon eher in der richtigen Gegend, allerdings zu schüchtern.
Abgesehen vom relativ tighten Drummer war die Band instrumental eher bescheiden unterwegs (Taktschwierigkeiten, nicht-simultane twin guitar-Parts, …) – was ich mir bei Punk noch einreden lasse. Dass dann aber so gut wie jeder Song schnulzige Lovesong-Lyrics aufweist, passt wiederum nicht ins Bild.
In meinen Augen muss hier noch viel gemacht werden – eine kleine, aber tüchtig mitsingende Fangemeinde gibt es hier dennoch.

 

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Veränderung erwartete das Publikum bei Pink Moon. Im Vergleich zu vor ein paar Monaten stellt man nun fest: Glockenhosen weg, Mantel weg, Haare ab. Kündigt sich hier ein Imagewechsel an? Im kurzen 30-Minuten-Set präsentierten die vier Musiker u.a. drei brandneue Songs, darunter Fly Away – die beste Nummer des gesamten Abends. Bei einem gut durchdachten Aufbau sowohl stimmlich als auch instrumental durchaus verdient. Besonders positiv: die deutlich hörbare Steigerung des Sängers Alexander Baulesch, der sich nun auch in etwas tieferen Lagen wohlzufühlen scheint.
Vielleicht ist es nach dem Optischen nun auch Zeit für ein paar veränderte Sound-Einstellungen? Vorschlag: Stimme lauter, Gitarre leiser und weniger Bass-Distortion.

 

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Der Headliner des Abends war Psycho Village, eine zuweilen ziemlich erfolgreiche Band: drei Top-10-Singles in den österreichischen Download-Charts, knapp 10.000 verkaufte Tonträger und Auftritte mit u.a. Placebo, Imagine Dragons, Queens of the Stone Age und Korn lassen hohe Erwartungen entstehen.
Tatsächlich hatte man gleich beim energetischen Einstieg den Eindruck, hier ist ein Trio, das weiß, was es tut. Vor allem Sänger Daniel Kremsner darf sich getrost Rampensau nennen. Daumen hoch gibt es auch für die Filmleinwand im Hintergrund. An dieser Stelle endet das Lob allerdings – viel mehr war nämlich nicht dahinter.
Kremsners Stimme ist zwar kräftig, aber nicht präzise. Ohrwurm-Potential mag der ein oder andere Song – beim ein oder anderen Teenie – vielleicht haben, doch spätestens beim Cover von Ushers DJ Got Us Fallin’ In Love kam ich mir vor wie im falschen Film. Ohne an dieser Stelle auf die musikalische Fragwürdigkeit des Originals eingehen zu wollen, muss ich doch klar stellen: das war ein eindeutiger Reinfall. Musiker, die sich als Modern Rock / Post-Grunge – Gruppe definieren, und dann sowas? Ich bin der letzte Mensch, der Covers ablehnt, vor allem wenn man dem Original eine persönliche Note verleiht. Sie sind wohl nicht zuletzt der sicherste Weg, das Publikum mitzureißen – ein paar Gedanken zu Titelauswahl und Interpretation sollte man sich dennoch machen.
Vielleicht hatte die Truppe einen schlechten Tag, vielleicht ist aber tatsächlich nicht mehr dahinter – eine Annahme, die durch das Fehlen jeglicher Zugabe-Rufe plausibel erscheint.

 

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Abschließend betraten Shade of Illusion die Bühne. Drei Instrumentalisten (Drummer, Bassist, Gitarrist) und eine Sängerin, alle vier im Grunde in Ordnung. Instrumental hält man sich hier an gängige Rock-Schemen, die zwar keine großen Überraschungen beinhalten, aber solide sind. Training in puncto Sicherheit und Tightness ist aber auch hier sicherlich nicht verkehrt.
Die ersten angestimmten Töne der Frontfrau hatten auf mich einen durchaus positiven Eindruck: mit einem eher tiefen Timbre hört man der energiegeladenen Sängerin gerne zu. Bald aber wurde klar, dass sie sich ausschließlich in tiefen Lagen beweisen konnte. Sobald höhere Tonlagen oder Schleifer nach oben kamen, kippte die Stimme. Das Halten von Tönen erfordert Übung und ist alles andere als einfach – gleichzeitig aber auch unbedingt notwendig.

 

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Zu den beiden ersten Bands apollon’s return (Experimental Rock) und Still Thinking (Alternative / Indie) habe ich es an dem Abend leider nicht geschafft. Aber der nächste Gig kommt bestimmt!

 

Mehr Infos / Photo Credits:

https://soundcloud.com/pinkmoontheband ©

https://soundcloud.com/shadeofillusion ©

http://www.psychovillage.com/ ©

http://www.rockymccallister.com/ ©

© Still Thinking

© Apollon’s Return

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