Festival Review: Desert Winter Sun – Stoner Rock Festival Vienna, 29.01.2016

Blog, Festival Review

Nach drei Sommereditionen im August stieg das „Desert Sun“-Stoner Rock Festival nun um die zur Jahreszeit passende Erweiterung „Desert Winter Sun“ am 29. und 30.01. im Viper Room Vienna. Ich war an dem ersten der beiden Tage vor Ort und traf auf folgendes Line-Up:

Mothers of the Land (Wien)
Ultima Radio (Graz)
PROTOTYPER (Wien)
KRPL (Graz)
Blue Pail Fever (Wien)
UGF (Oberösterreich/Bayern)

© Mothers of the Land

© Mothers of the Land

Bereits um 18:45 legten Mothers of the Land mit ihrem Set los. Dieses dauerte zwar, wie vorgesehen, etwa 45 Minuten – die Band verlor wegen technischen Problemen aber einiges an wertvoller Zeit. Prompt als die Gruppe startete gab es Probleme mit dem Topteil von Gitarrist Jack – leider verstummte sein Instrument völlig, und es dauerte zwei ganze Nummern inklusive Pause, um das Problem zu beheben. Sichtlich angespannt spielte der Gitarrist dann auch den restlichen Gig hindurch. Während des Ausfalls stemmte Gitarrist Georg das melodische Gewicht, was aber durchaus gelang, da Mothers of the Land einige Zeit sowieso „nur“ ein Trio waren. Ganz richtig stellte er klar, dass nicht immer alles glatt laufen könne – dennoch zehrte der technische Ausfall an der Gesamtperformance. Und obwohl ich sie schon in besserer Form gesehen habe (nachzulesen hier): Mothers of the Land ist eine Wiener Instrumentalgruppe, die aufregenden, authentischen Heavy Rock spielt und ich jedem nur ans Herz legen kann – Songs wie Cold Sun, Temple Without Walls und All the Way sind wahre Juwelen, die jedes Mal mitreißen. Es ist eine Band, die man sich einfach verdammt gerne anhört. Und sobald das Album fertig ist, kann man das auch endlich jederzeit tun.

© Ultima Radio

© Ultima Radio

Es folgte Ultima Radio, eine Grazer Band, die im Vergleich eher psychedelisch unterwegs ist – was man bereits beim Soundcheck des Sängers hörte, der ziemlich exotische Töne von sich gab. Die Truppe trat an diesem Abend zu fünft auf, mit Zdravko Konrad am Mikrofon, Julian Jauk und Benni Krause an den Gitarren, Stefan Scherer am Bass und Peter Namdar am Schlagzeug.
Diese Band wirkte auf mich wie eine zufällig bunt zusammengemischte Gruppe, bei der viel gewollt und noch mehr getan wird – nur, dass eben nicht alles ganz zusammenpasst. Stimmlich war ich vom Sänger beeindruckt – dieser scheint viel Inspiration aus fernen Ländern wie beispielsweise Marokko (mit dem passenden Song Moroccan Honey) zu beziehen und mischt verschiedene Elemente zu einem auffälligen Ethno-Stil zusammen. Allerdings passen mir dazu die straighten Instrumentalisten nicht: eine Gitarre ging in Richtung Ska-Punk, die andere war eher Stoner-typisch statisch, das Schlagzeug erinnerte dagegen an braven Pop (bitte mehr reinhauen!). Einzig der Bassist harmonisierte mit den Ideen der Songs – wenngleich auch hier mehr gewagt werden dürfte. Ich finde Ultima Radio durchaus interessant, beeindruckt war ich von zwei Stellen innerhalb eines Songs, wo kurz alles verstummte und Sänger Zdravko Konrad ohne Mikrofon (!) weitersang – und wie! Nachdem die Band die Bühne verlassen hatte, wusste ich jedoch immer noch nicht ganz, woran ich war. Reduktion wäre hier wohl einen Versuch wert.

© PROTOTYPER

© PROTOTYPER

PROTOTYPER, die nächste Band des Abends, gegründet 2011 in Wien, hat vor fast einem Jahr ihr Debütalbum Cities veröffentlicht. Laut eigenen Angaben spielt die Gruppe Sludge und Stoner Rock. Die nötige Power an den Instrumenten, die mir bei der vorangegangenen Band fehlte, war hier auf jeden Fall vorhanden. Großes Kompliment geht hier vor allem an Schlagzeug-Maschine Christoph Schwaiger für eine extrem tighte Leistung an den Drums. Dafür musste man als Zuhörer nun Abstriche beim Gesang machen – diesbezüglich zeigte Ultima Radio mehr Potential. Zu monoton fielen hier Martin X. Forsters Lines aus, und sobald mehr versucht wurde, waren schiefe Töne dabei. Zu wenig Melodik führt bei der Band in diesem Fall dazu, dass die Songs zum einen sehr ähnlich klingen, zum anderen keine Nummer wirklich ins Ohr geht.
Alles in allem klingt die Musik von PROTOTYPER wie ein Modern Grunge-Projekt mit partiellem Nirvana-Verschnitt.

© KRPL

© KRPL

Instrumental ging es mit dem Trio KRPL aus Graz weiter. Gegründet 2014 arbeiten die Musiker momentan an ihrem Debütalbum, dessen Erscheinungszeitraum allerdings noch nicht bekannt ist. Hier handelt es sich um eine Band, die sich selbst und ihre Musik wohl nicht allzu ernst nimmt. Daher konnte ich es auch nicht wirklich tun. Spätestens nach der dritten Nummer war ich (trotz gutem Schlagzeuger) total gelangweilt. Es ist immer schwierig, ohne Vocals das Publikum zu fesseln. Allerdings zeig(t)en Mothers of the Land vor, wie man es richtig macht: mit spannenden Riffs, kreativen Fills und catchy Melodien. Davon konnte ich bei KRPL kaum etwas entdecken.
Dennoch ist zu sagen, dass die Band auf jeden Fall eine definitive Fan-Base vorweisen kann – so mancher im Publikum war komplett aus dem Häuschen.

© Blue Pail Fever

© Blue Pail Fever

Die Enttäuschung des Abends sollte jedoch noch folgen – in Form des Duos Blue Pail Fever. Die Sludge Punk-Musiker aus Wien lieferten schon beim Soundcheck Aussagen ab, die total daneben waren. Dies ging sogar so weit, dass der Tontechniker drohte, ihren Auftritt abzusagen. Spätestens hier lenkten sie ein und fingen mit ihrem Set an. Dieses trug jedoch nicht dazu bei, sie in ein besseres Licht zu stellen. Eintönige Riffs, fragwürdige Lyrics und arrogantes Gehabe zeichneten die Schlagzeuger-Gitarristen-Kombo aus und brachten einige Leute (einschließlich mich) dazu, schleunigst das Weite zu suchen.

Daher habe ich auch die letzte Band des „Desert Winter Sun“-Festivals Tag 1, UGF, nicht mehr gesehen.

 

 

Mehr Infos / Photo Credits:

© Viper Room Vienna, http://www.viper-room.at
© Mothers of the Land, http://www.soundcloud.com/mothers-of-the-land
© Ultima Radio, http://www.youtube.com/ultimaradiochannel
© PROTOTYPER, http://www.prototypermusic.com
© KRPL, http://krpl.bandcamp.com
© Blue Pail Fever
© UGF, http://undergroundgroovefront.bandcamp.com

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