Gig Review: Almost Fast, 02.04.2016

Blog, Gig Review

Teil eines interessant kombinierten Abends wurde man am Samstag des 02. April in der Lounge des Wombats City Hostel auf der Äußeren Mariahilfer Straße in Wien. Auf etwas engem, für die Besucheranzahl platzmäßig jedoch ausreichenden Raum fiel schnell auf: das Publikum setzt sich vorwiegend aus treuen Fans, vor allem aber auch TouristInnen zusammen.

© Stillwater Enemies

© Stillwater Enemies

Stillwater Enemies, eine vierköpfige Band aus Österreich, machte den Anfang. Das um 30 Minuten verspätete Set dauerte gut eine Stunde, in der es der Gruppe gelang, mein Interesse an ihrer Musik sicherzustellen. Die vorwiegend raue Mischung aus Grunge mit psychedelischen Ergüssen darf zu Recht als einprägsam bezeichnet werden, erwähnenswert ist vor allem der Titel Hugs And Fucks.
Die Band hat außerdem eine offensichtliche Soundeffekte-Obsession, und das nicht nur an den Instrumenten: in ihrem Set gab es kaum einen Song, in dem der Gesang clean blieb. Logisch ein bewusst gewähltes Stilmittel – manchmal dann aber doch etwas zu viel. Denn auch Musik, die dreckig klingen soll, kann irgendwann zu dreckig klingen. Da die Location zwar ganz nett, akustisch und sound-technisch jedoch mehr schlecht als recht ist, klang leider alles relativ schnell schwammig. Der großzügige Einsatz von Effekten verstärkte das zusätzlich.
In puncto Besetzung nur so viel: Sänger Felipe Tablilla weist eindeutig stimmliches Potential auf und übernimmt auch sämtliche Gitarrensoli an seiner Fender Telecaster. Einziges Manko: er verfällt teilweise in zu monotone Linien – in meinen Augen aber leicht behebbar! Unterstützt wird der Gesang von Drummer Georg, dem die Drumsticks wohl öfter brechen dürften (so wie auch an besagtem Abend). Kurioser Weise hat Frontmann Felipe die ganze Zeit über ziemlich unsichere Blicke ins Publikum geworfen – und hat dennoch um einiges mehr Bühnenpräsenz als seine Kollegen an Rhythmusgitarre (Sebastian Schuh) und Bass (Marc Ecker), von denen man teilweise meinen konnte, sie seien leicht überfordert mit der Live-Situation.
Insgesamt finde ich Stillwater Enemies ist eine coole, druckvolle und fesselnde Gruppe, deren Stärken vor allem in der Rhythmik und Experimentierfreudigkeit liegen. Hörenswert!

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© Almost Fast

Almost Fast betraten um etwa 22:45 Uhr die Bühne. Das Trio aus Wien wurde erst 2016 offiziell gegründet, hat aber ein professionelleres Gesamtbild als viele mir bekannte Bands, die es schon wesentlich länger gibt. Beim ersten Song Fever präsentierte sich im Vergleich zur Vorband eine tonal vielfältigere, allerdings auch weniger druckvolle Stimme: Max Janos Payer. Diese passt aber definitiv zum Genre Pop-Rock, mit dem sich diese Band beschreibt.
Top: die Gruppe sorgte mit ihrer Präsenz für Stimmung und auch dafür, dass sich das Publikum, das zu Anfang des Sets noch eher mager ausfiel, gegen Ende hin erheblich vergrößerte. In Anzügen und Fliegen präsentierte das Frischlings-Trio aus Gesang und Bass (Max J. Payer), Gitarre (Michael Schwarz) und Schlagzeug (Simon Schenk-Mair) die neun Songs ihres Debüt-Albums Undead Symphony aus 2016.
Das Publikum kannte dem Anschein nach die meisten davon, da nicht nur einmal Songwünsche der Zuschauer in den Raum geworfen wurden, darunter vor allem auch der Titel All American Lollipop, bei dem Max J. Payer die Lounge höchstpersönlich mit Süßigkeiten versorgte. Die Band hat eine sehr positive und motivierte Art, was sympathisch ist und einfach gut rüberkommt.
Manchmal wurde der Frontmann dann allerdings etwas zu redselig und fing auch während der Songs an, dazwischen zu quatschen. Das stört die Wirkung eines Songs schnell. Ein definitives No-Go war aber auf jeden Fall das für das Publikum hörbare Nachstimmen der Gitarre von Michael Schwarz zwischen den einzelnen Songs. Ob das ein „Anfängerfehler“ war oder nicht, sei dahingestellt – bitte nicht mehr so machen! Auch schade war, dass nach den Songs 8 und 9, die bereits die Zugabe bildeten, auf weiter anhaltende Zugabe-Rufe des Publikums nichts mehr folgte. Der Grund: „Wir können wirklich nichts mehr spielen!“ – offensichtlich ist das Repertoire bis dato auf genau jene neun Songs begrenzt. Dass also so schnell wie möglich neues Material her muss, liegt wohl auf der Hand.
Alles in allem ist Almost Fast eine Band, die Spaß macht, wenn man auf der Seite des Pop-Rock angesiedelt ist und Lust auf tanzbare Musik hat. Ich wünsche viel Erfolg!

Weitere Infos / Photo Credits:
© Almost Fast, http://www.almostfast.at/home
© Stillwater Enemies

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