News / Opinion: P!nk gewinnt Michael Jackson Video Vanguard Award bei VMAs 2017

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P!nk nahm bei den diesjährigen Video Music Awards den Michael Jackson Video Vanguard Award entgegen und widmete ihre Dankesrede ihrer sechsjährigen Tochter Willow Hart. Der Anlass: das Mädchen nannte sich selbst „das hässlichste Mädchen, das ich kenne“.

Die Reaktion der fassungslosen Mutter ist überraschend. Anstatt ihrer Tochter den Unsinn ausreden zu wollen, bereitet P!nk ihr eine PowerPoint-Präsentation vor, in der sie ihr androgyne Rockstars wie David Bowie, Janis Joplin und Annie Lennox vorführt. Sie erklärt Willow, dass diese Menschen tagtäglich mit Beleidigungen und Vorurteilen bezüglich ihres Aussehens zu kämpfen hatten bzw. haben, sich aber dennoch nicht verändern, um irgendwelchen Idealen gerecht zu werden. Deshalb seien sie ja so erfolgreich, genau wie die Sängerin selbst.

Die Situation wirft natürlich wichtige Fragen auf: wie kommt ein sechsjähriges Kind darauf, sich hässlich zu nennen? Woher kommt diese verfälschte Selbstwahrnehmung? Und wieso spielt Aussehen in diesem Alter heutzutage überhaupt eine so wichtige Rolle?

Autorin und Musikwissenschafterin Susan McClary schrieb einmal über Janis Joplin, dass sie gerade deshalb so erfolgreich war, weil sie eben nicht talentiert und schön war. Eine Frau mit einer solch gewaltigen Stimme, und dann auch noch attraktiv? Das wäre doch viel zu viel – Neid hätte Überhand genommen. Und das Fragenrad dreht sich weiter: darf man als Frau nur auf einer Ebene herausragend sein? Darf man überhaupt herausragend sein? Einerseits werden schöne und talentierte Frauen, beispielsweise aus der Filmwelt, idealisiert und nachgeahmt, wo es nur geht. Andererseits ist die Missgunst ihnen gegenüber auch so groß, dass man sich sicher sein kann, sie am Titelblatt der nächsten Ausgabe diverser Klatschmagazine unter der Überschrift „Auch Stars nicht vor Cellulite gefeit“ zu finden. Die Medienwelt und ihre konsumierende Masse kann sich wohl nicht recht entscheiden, ob man Personen nun zu Vorbildern machen und diesen nacheifern soll, oder ob man jeden Menschen, der erfolgreich ist – sei es aufgrund von Talent, Schönheit oder sonstigem – doch besser verteufelt. Dass dieses Gefälle für Gesellschaftsdruck und Komplexe, vor allem bei unseren Jüngsten, sorgt, liegt auf der Hand.

P!nks abschließender Appell ist daher umso ernster zu nehmen: „We don’t change. We take the gravel in the shell and we make a pearl. And we help other people to change, so they can see more kinds of beauty.“ Kein Wunder, dass die Musikerin es so weit gebracht hat.

 

Mehr Infos:

http://www.rollingstone.com/music/news/vmas-2017-watch-pinks-video-vanguard-acceptance-speech-w499122

 

 

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Interview: Old Steam Machine, August 2017

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‚NO ONE CAN STOP ME, I’M A STEAM MACHINE‘

Ein Album im Alleingang aufnehmen, dazu ein eigenes Label gründen und den Release organisieren? Herausforderungen, denen sich viele Bands stellen müssen. Die fünf Mitglieder der Wiener Hard Rock-Band Old Steam Machine (Gig Reviews hier) sprachen mit RIFF SHIFT über ihr Debütalbum OSM, Learning-by-Doing und Vorteile der eigenen Labelgründung in Österreich. 

RIFF SHIFT: Wenn man im Internet über euch recherchiert, findet man heraus: das Gründungsjahr war 2006. Das ist jetzt schon über zehn Jahre her und du, Patrick, bist das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Wann und wie sind die anderen dazugekommen?

Gerhard (Anm.: Bassist): Ich bin das neueste Mitglied der Band und vor etwas über zwei Monaten dazugekommen. Der Ronny (Anm.: Rhythmusgitarrist) hat mich gefragt, dann haben wir geprobt, uns das angeschaut – hat gut funktioniert und ich bin auf jeden Fall weiterhin dabei.
Ronny: Ich war unterwegs mit’m Lary (Anm.: Leadgitarrist Patrick Lary), es war sehr romantisch (lacht). Er hat mich dann gefragt, ob ich in seiner Band spielen möchte. Jetzt bin ich seit Anfang Sommer dabei.
Ben (Anm.: Schlagzeuger): Ich bin das drittneueste Mitglied und mittlerweile seit acht Monaten dabei.
Alessandro (Anm.: Sänger): Ich bin dazugekommen vor fünf Jahren. Den Lary hab’ ich über einen gemeinsamen Freund bei einem Jam kennengelernt. Dann hat er mir gesagt, ich soll mal zur Probe vorbeikommen. Seitdem bin ich, wenn auch mit vielen Umstellungen, immer dabeigeblieben.

RIFF SHIFT: Momentan passiert bei euch ja sehr viel – am 1. September präsentiert ihr euer Debütalbum. Da stellt man sich natürlich die Frage: warum erst jetzt?

Alessandro: Weil wir die meiste Zeit eigentlich gar nicht an ein Album gedacht, sondern einfach nur gespielt haben. Die Band hat sich auch immer wieder verändert. Viele sind gegangen, einige sind gekommen. Daher wurde viel Zeit darin investiert, den neuen Mitgliedern die Songs zu zeigen. Dann haben sich aber auch die Songs an sich immer wieder verändert. Zwischendurch haben wir natürlich auch Konzerte gespielt, die auch immer selbst organisiert waren. Für ein Album hat einfach die Zeit gefehlt.

RIFF SHIFT: Auf dem Album sind nur Patrick, Alessandro und Ben zu hören – alle Instrumente sind selbst eingespielt. Wie liefen die Aufnahmen ab?

Patrick: Wir waren froh, dass der Ben auf unsere Pilotspuren das Schlagzeug einspielen konnte. Darauf konnten wir dann aufbauen. Danach hab ich die Gitarren und den Bass gemacht, dazu Piano als Fläche. Und der Ale hat dann den Gesang aufgenommen.

RIFF SHIFT: Ihr habt euch jetzt entschieden, gemeinsam mit dem Künstler Claus Trophobia (AT) euer eigenes Label Gasgasse Records zu gründen. Was war der Grund dafür?

Alessandro: Der Grund war eigentlich, dass wir so selber veröffentlichen können, mit allem, was dazugehört. Wir ersparen uns dadurch den Umweg, erst ein Label suchen und finden zu müssen.
Gerhard: Das ist heute wahrscheinlich auch die Methode, die man eben anwendet. Ganz nach dem Do-it-yourself-Gedanken.
Patrick: Wir haben uns auch gedacht: jetzt haben wir schon alles selbst gemacht, lasst uns doch auch gleich ein eigenes Label gründen.
Gerhard: Es geht auch relativ schnell und günstig. Heutzutage ist es sowieso problematisch mit CD-Verkäufen. Bei einem Label hast du dann zusätzlich auch noch Abgaben.
Alessandro: Bei OSM war es doch auch immer so, dass wir immer alles selber gemacht haben. Vom Proberaum, der mittlerweile zum Studio geworden ist, bis zu den Aufnahmen.

RIFF SHIFT: Würdet ihr es jungen MusikerInnen also empfehlen, ebenfalls ein eigenes Label zu gründen?

Patrick: Schneller zu einem Resultat kommst du schon, wenn du bei einem Label aufgenommen wirst, weil alles selbst zu machen eben sehr zeitintensiv ist. Im Nachhinein hast du dafür aber auch, wenn du es selber machst, alles in der Hand. Es verdient niemand von außen mit, sondern nur die Band selbst bzw. das eigene Label. Der Profit muss dann nicht geteilt werden und du musst dich niemandem beugen.
Alessandro: Wir wollten keinen „Chef“ haben, der uns Vorgaben gibt oder uns unter Druck setzt. In unserer Situation überwiegen auf jeden Fall die Vorteile einer eigenen Labelgründung.
Gerhard: Derzeit reicht es für uns so. Irgendwann kommt aber natürlich der Punkt, wo man weiterdenken muss.
Ronny: Es ist auch eine gewisse Routine bei den Labels in Österreich, vermutlich eh weltweit, dass wenn du in ein größeres Label reinkommen willst, eine gewisse Reichweite vorweisen musst. Wie bist du in den sozialen Medien aufgestellt, wie viele Leute besuchen deine Gigs, usw. Das heißt, um mal dorthin zu kommen, bleibt dir eigentlich nichts anderes übrig, als ein eigenes Label zu gründen.
Patrick: Der Traum ist eh, dass das zweite Album dann unter einem großen Label produziert und von diesem auch finanziert wird.

RIFF SHIFT: Würdet ihr unter Gasgasse Records auch andere Bands rausbringen?

Patrick: Aktiv suchen wir zwar nicht danach, aber sollte sich in bestimmten Situationen etwas ergeben, natürlich.
Alessandro: Prinzipiell ist das im Bereich des Möglichen.

RIFF SHIFT: Mal etwas genauer zum Album: auf Soundcloud sind auf eurem Profil momentan fünf Songs zu hören. Sind diese dann auch am Album zu finden?

Alessandro: Ja, genau in derselben Version. Am Album sind noch sieben Songs mehr drauf, also insgesamt zwölf.

RIFF SHIFT: Wie würdet ihr jemandem, der euch nicht kennt und dem „Melodic Hard Rock“ nicht viel sagt, euren Stil beschreiben?

Patrick: Er hat psychedelische Einflüsse, Hard Rock-Einflüsse und „balladige“ Einflüsse.
Ben: Ich sage immer „Melodic Rock“ dazu.
Gerhard: Ich erkläre es immer mit „Riff Rock“ – weil die Musik eben sehr rifflastig ist. Aber auch sehr melodiös, manchmal sind sogar fast jazzige Klänge dabei.
Ronny: Ich sag’ immer Hard Rock.
Alessandro: Hard Rock ist aber eben oft ein Riff, der sich ständig wiederholt. Bei uns gibt’s da schon mehr Abwechslung.
Ronny: Und eben auch recht viele Balladen.
Patrick: Bei uns werden aber auch die fetten Lieder immer sauber gespielt. Es ist nichts einfach nur reingedrescht. Auch wenn es härter wird, bleibt der Song immer klar.
Gerhard: Am Album ist auch einfach alles dabei. Ein guter Überblick darüber, was wir können.
Ben: Auf gut Deutsch: lässig!

RIFF SHIFT: Gibt es eine Band, mit der ihr euch vom Sound her vergleichen würdet?

Patrick: Schwer, sehr schwer. Das traue ich mich gar nicht.
Ronny: Gigi D’Agostino (alle lachen).
Alessandro: Wir haben das schon oft diskutiert, weil uns diese Frage schon viele gestellt haben, aber nie eine Antwort darauf gefunden. Das Material ist einfach zu unterschiedlich, um einen Vergleich zu ziehen.
Patrick: Wir geben uns auch Mühe, bewusst nicht zu klingen, wie jemand anderer. Irgendwann habe ich persönlich auch aufgehört, aktiv Musik zu hören. Wenn ich Zuhause Lust auf Musik habe, nehme ich die Gitarre in die Hand. Ich höre mir nie CDs an. So hat sich mein Stil selbständig entwickelt.
Ben: Einflüsse sind aber natürlich da, bei mir als Schlagzeuger wären das zum Beispiel John Bonham oder auch simple Beatles-Beats.

RIFF SHIFT: Am ersten September gibt’s die Möglichkeit, euch live zu sehen. Was ist denn für den Abend geplant?

Alessandro: Es wird so ablaufen, dass unser Special Act und Label-Partner Claus Trophobia startet. Er wird alleine auftreten.
Ronny: Ja, der hat ja sonst keinen Platz, das würd’ er nicht packen (alle lachen).
Alessandro: Auf jeden Fall treten danach Pink Moon (AT, Gig Review hier) als Support auf, und dann präsentieren wir unser Album.

RIFF SHIFT: Wie würdet ihr rückblickend die Erfahrung des Aufnehmens eures ersten Albums beschreiben?

Alessandro & Patrick (gleichzeitig): Viel Arbeit!
Patrick: Es ist zwar langsam gegangen, dafür stetig.
Alessandro: Kann man schon so sagen. Es war wirklich viel zu tun, vor allem auch, weil wir nur zu dritt waren und einige Anläufe gebraucht haben. Aber wir sind im Prozess gewachsen, einfach durchs Learning-by-Doing.
Ben: Auch interessant ist, dass man immer wieder von Null anfangen muss. Immer wieder.
Alessandro: Genau. Mit 1. September haben wir uns daher auch selbst eine Deadline gesetzt, sonst hätten wir wahrscheinlich noch ein Jahr daran gebastelt.
Ronny: Ich finde es andererseits aber gut, dass ihr nur zu dritt wart, weil dadurch weniger Leute auf euch eingeredet haben. Zu viele Köche verderben den Brei.

RIFF SHIFT: Ein kurzer Blick in die Zukunft: was kommt als nächstes?

Alessandro: Nach dem Release werden wir das Album natürlich promoten, das ein oder andere Musikvideo drehen. Den Vertrieb checken, Konzerte in- und außerhalb von Österreich spielen. Genug Ideen und Material fürs nächste Album gibt’s auch schon. Wir wollen also nicht zu viel Zeit vergehen lassen, bis wir damit beginnen.
Patrick: Es würde mich wirklich freuen, in der aktuellen Besetzung die nächsten Aufnahmen zu machen.
Gerhard: Wir haben jetzt auch für jedes Instrument die besten Leute gefunden.
Ben: Wir wollen in Zukunft die ganze Welt bespielen. Japan, England, die USA…
Ronny: Eisenstadt (alle lachen).
Ben: Wir träumen groß!

OSM präsentieren am 1. September ihr Debütalbum OSM im Replugged in Wien. Alle Infos zur Veranstaltung und der Band sind zu finden unter:

https://www.facebook.com/old.steammachine/

https://www.facebook.com/events/1511509505581478/

 

Gig Review: Deuce – A Tribute to Rory Gallagher, 02.03.2017

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To honour the Irish music legend Rory Gallagher, Deuce played a tribute show on his birthday at Arthur’s in Dublin’s Liberties.

Deuce obviously got their name from Rory’s second solo album from 1971. The trio from Kildare (vocals + guitar, bass, drums) met at the annual Rory Gallagher Festival in Ballyshannon (Rory’s hometown) in the West of Ireland in 2012. After the festival they decided to form a dedicated tribute band and bring their late idol’s music onto stage.

The gig started at 9pm, and Arthur’s proved to be the perfect location for the event – good sound, a great atmosphere and decent Guinness. The band opened with Shinkicker, and soon played on of the setlist’s highlights: Laundromat.
Generally, the setlist was a healthy mix of early and late Rory songs, from Hands Off to Bought & Sold, and included all the favourites, such as Tattoo’d Lady, Bad Penny, Shadow Play, I Fall Apart, and Philby.
The audience was in a great mood, especially when Deuce played Moonchild – the venue filled up by the minute.

The band members work together well, whereas the bass was, in fact, a bit more solid than the drums. The singer has obviously put a lot of effort into getting as close as possible to Rory’s unique style of singing and intonation, and has definitely managed to acquire the right timbre for pulling off a great show. Considering that Rory Gallagher was one of the greatest guitarists of all time, he did a good job on the instrumental part.
The performance wasn’t perfect – but the creative twist that Deuce added to the songs was highly enjoyable. It is always nice to see tribute bands that stay true to their idol, while at the same time adopting an individual approach. Surely this is something which proves to be rewarding for the band in terms of artistic development.
One of their last songs was Philby – arguably one of the coolest Rory songs, and one I was also very much looking forward to. It was thus a bit irritating when the verses got mixed up and the chosen tempo was decidedly too fast. When I talked to the frontman about it later, he laughed and confessed to hoping nobody would notice. I told him it didn’t matter and congratulated him on a great show, because that’s what it was. It is just lovely to see that even when a great artist dies, his music continues to live on. And in fact, it was the first time ever for me to have heard Rory’s songs being played live. And it was so worth it.

 

More information / photo credits:
https://www.facebook.com/deucerorytribute
http://www.rorygallagherfestival.com/