Album Review: Alterno Boy – „Alterno Boy“ (2017)

Album Review, Blog

Dem sympathischen Pop-Quartett Alterno Boy ist mit ihrem gleichnamigen Debütalbum ein Wurf aus elf Liedern gelungen, von denen so manches einiges an Potential zeigt. Paul Buschnegg (Gitarre), Til Tuppy (Gesang und Bass), Xavier Plus (Gitarre und Klavier) und Joe Edlinger (Schlagzeug) lassen die Seele sprechen. Das war auch beim Release Gig am 27. Oktober im Wiener Flex Café zu sehen.

Beim Anklingen der ersten paar Minuten des neuen Stoffs schnellt einem folgendes durch den Kopf: Beach Boys und Beatles. Ab dem zweiten Lied der Scheibe wird man in eine derartige Gutherzigkeit eingetunkt, dass man sich am liebsten selbst umarmen möchte. You’re My Friend! erklingt es im Chor und man fühlt sich irgendwie geborgen. Abgesehen davon taucht in der Strophe wieder kurz dieser spritzig, tanzbare Groove auf, der schon in der ersten Nummer einsetzt. Es wirkt daher wie eine Fortsetzung, eine Idee, die nochmals verarbeitet wird und dadurch einen Zusammenhang zwischen zwei Liedern schafft. Elegant.

Relativ rasch steigt dem Zuhörer ins Bewusstsein, dass Alterno Boy mit ihrer Hingabe zum Englischen vielleicht noch eine rückblickende Linie fahren. Träumerisch und dahinschwebend wird man von netten Gesängen und weichen E-Gitarren-Klängen eingelullt und kann womöglich dabei ganz vergessen, dass es sich doch eigentlich um eine österreichische Band handelt. Normalerweise bin ich gegen erzwungene, „hippe“ British-American-Veredelung, bei der jeder glaubt, dass etwas cool ist, nur weil es auf Englisch vorgetragen wird. Alterno Boy schaffen es aber auf ihre Art sich in eine stilhafte Ecke zu stellen, in der die Instrumente so für sich sprechen, dass man gar nicht mehr darüber nachdenkt, in welcher Sprache sie denn jetzt eigentlich singen.

Aufhorchen muss man bei Winter’s Gun. Bei all der bisherigen Kurzweiligkeit gipfelt die Stimmung erstmalig in diesem zweistimmigen Ohrwurmkandidaten, mit einem einfachen, aber effektiven Wanda-Rhythmus und hypnotischem Tremolo-Klang der Instrumente. Treffer!

Oh Leonce gibt einen guten Einblick in die Art und Weise, wie die Herren Musik machen. Vielfältige Taktwechsel, geschmackvolle Akkordprogressionen und Beats, die zum Mitklatschen anregen. Das alles wird von ausgelassenen Gesängen begleitet, verpackt in einen liebevollen Popsong. Auch wenn manches trotzdem womöglich etwas abgegriffen scheint, muss man Alterno Boy doch noch eines lassen: sie vollziehen geschickt die Rückbesinnung auf die wohl mittlerweile verwaschenen Sujets des Brit-Rock und Pop-Bands der 90er Jahre, mit einem liebenswerten, braven Rotzbuben-Image, das ja schon damals an ältere Zeiten erinnerte. Es ist also in gewisser Weise eine Reflexion der Reflexion und macht vielleicht auch deswegen so viel Freude beim Zuhören. Alte Trends kommen ja bekanntlich immer wieder.

Gesamt ergibt sich ein ausgeglichenes Album aus nachdenklichen, als auch poppig-fetzigen Nummern für einen verregneten Nachmittag mit Freunden. Oder einen sonnigen. Oder alleine. Musik für jeden, der gerne nostalgisch in den leichten, unbeschwerten Kuschelrock der vergangenen Jahrzehnte zurückblickt und dabei trotzdem jung bleiben will.

Autor: Lukas Brunner


Mehr Info & Photo Credits:

https://www.facebook.com/alternoboyband/
http://www.wohnzimmer.com/artists/alterno-boy.html

Advertisements