Gig Review: Alterno Boy, 27.10.2017

Blog, Gig Review

Es ist Freitag, der 27. Oktober. Ein Tag, auf den viele hingeschielt haben. Ein großer Tag – zumindest  aus Sicht einer gewissen Band. Alterno Boy präsentieren ihr Debütwerk im Flex Café.
Es ist nach 21:00 Uhr. Die Leute sammeln sich langsam zu einer Menge in dem LED-beleuchteten, mit gemütlichen Sofas und einer Bar ausgestatteten Raum. Durch den Hintereingang kommen sie dann endlich im Gänsemarsch, von der Menge feierlich in Empfang genommen, hereinstolziert.

Ein kurzes Gitarre-Kratzen, ein auf- und ablaufender Basston, eine kleine Rückkopplung und es geht los. Ein schwerfälliger Beat von Schlagzeuger Joe Edlinger und die rauchige, scheinbar noch nicht ganz warm gewordene Stimme des Sängers Til Tuppy verwandeln das Flex-Café in einen Konzertsaal. Ungewöhnlich scheint es, den Anfang der Vorführung balladenmäßig beginnen zu lassen, mit sich immer wiederholenden Chords, so als wäre man schon mitten in der Show, als erst am Anfang. „Hallo Alterno Boys and Girls! Schön, dass ihr den Weg zu unserer Klangwelt gefunden habt…“

Beim dritten Song wird einem langsam die Musikalität dieser Truppe bewusst. Sympathisch, fast bildnerisch, stehen die drei „Boys“ (Til Tuppy, Paul Buschnegg und Xavier Plus) mit jeweils einem Mikro und einem umgeschnallten Saiteninstrument gleichwertig in der vorderen Reihe. You’re My Friend! singen sie.

„Wenig reden, viel spielen“ geben sie als Motto nach dem Song Oh Leonce bekannt, bei dem die Bass-Trommel viel zu laut und der Bass viel zu stark aufgedreht waren. Das Publikum scheint es wenig zu kümmern. Ganz im Gegenteil: man erkennt, dass die Freude über die mittlerweile festgefahrene Single groß ist und die Fangemeinde mitgeht.

Egal, ob man die Augen geschlossen oder offen hält – es könnten fast die Beatles oder Electric Light Orchestra sein, die da oben stehen. Beim Titel Pass By zeigt sich, dass die gut ausgeschriebenen Gesangsparts live genauso funktionieren, wie auf der Aufnahme.

Nun kommt Special-Guest Hannah Wüstehube auf die Bühne, um mit Alterno Boy den Song Winter’s Gun zu performen. Und sie singen so harmonisch. Herrlich. Wenn es nur für dieses eine Lied wäre, ich wäre gekommen. Durch das kalte Herbstwetter, bei Nacht und Wind. Denn genau dieser frische Wind haucht einem beim Hören dieser Nummer ins Ohr, ohne dabei ins Frösteln zu geraten. Ganz im Gegenteil: es wird einem warm ums Herz.

Es wird wieder ruhig, fast psychedelisch. Die Zweistimmigkeit gibt der Musik etwas parallelisierendes. Wir sind also in einer Art Psychedelic-Rock-Revival, in Gedenken ans Ende der 60er. Made It.

Bei der Nummer Alterno Boy kommt wieder die klare, natürliche Stimme des eloquenten Sängers Til zum Vorschein, die einen großen Teil zur Wertigkeit der Musik beiträgt. Die Musiker lassen das Publikum in einem Chor „sound of the future“ singen. Mit ihrer selbsternannten Hymne Revolutionation lassen die jungen Herren zur Abwechslung Stadion-Rock-Gefühle aufkommen. Der erste Teil der Vorführung ist anscheinend vorbei, denn der Sänge schlägt nun eine metaphorische Brücke mit den Worten „what’s the time, I don’t know…“ – dann: Äuglein zumachen und sich von der Nummer Doomsday treiben lassen.
Man fragt sich jedoch allmählich wirklich, wie spät es ist, denn die Truppe spielt geradezu unermüdlich den zweiten Teil des Konzerts, der aber nicht mehr an den Anspruch des vorigen herankommt. Musikalisch vielfältig zeigen sie sich dann aber doch noch einmal in ihrer allerletzten (Funk-)Nummer ¡Dance!.

Alterno Boy vermögen es tatsächlich, mit den klischeehaften Bausteinen der Rockgeschichte ihre eigene Klangwelt zu basteln, wie anfangs versprochen. „Vielen Dank! Wir lieben euch“ ist der letzte Satz von Sänger Til, jedoch in einer überzeugenden Ernsthaftigkeit rübergebracht und nicht bloß als öde, dahingeschnalzte Floskel. Es ist wirklich eine eigene Welt, in die man eintauchen kann.

Autor: Lukas Brunner


Mehr Info & Photo Credits:

https://www.facebook.com/alternoboyband

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