Book Review: „My Prodigal Son“ & „Last of the Rock Romantics“

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prodigal

Das von Jacqueline Doherty geschriebene und 2006 veröffentlichte Buch ist ein Versuch, das Leben ihres Sohnes Peter Doherty aus ihrer persönlichen Sichtweise als Mutter zu schildern. Jackie Doherty geht dabei chronologisch vor und gibt dem Leser interessante Insights und Details zum Leben der Familie Doherty, die man wohl von keiner anderen Person zu hören bekommen könnte. Der Schwerpunkt des Buchs liegt allerdings nicht darin, Peters musikalischen Werdegang zu beschreiben. Fokus liegt auf seinen Drogenproblemen und darauf, wie seine Mutter mit den unendlich großen Sorgen fertig geworden ist – oder immer noch dabei ist, das zu tun. Dabei verteufelt sie ihren Sohn nie, ganz im Gegenteil, oft ist man überrascht von ihrer extremen Geduld. Häufig schreibt sie, dass sie sich zum Ziel gemacht hat, anderen Müttern in ähnlichen Situationen mit diesem Buch zu helfen. Häufig wird auch von Gott gesprochen, bzw. wird dieser angepriesen. Diese beiden Aspekte verleihen dem Buch leider eine etwas zu belehrende „Ratgeber“-Note, weshalb man es nicht wirklich als Musikbiographie bezeichnen kann. Trotzdem ist die Perspektive der Mutter aufschlussreich und das Buch definitiv zu empfehlen.

rockromantics

Alex Hannafords „Pete Doherty. Last of the Rock Romantics“ ist die am weitesten etablierte Biographie über Peter Doherty. Etwa zur selben Zeit veröffentlicht wie das oben genannte Buch (2006/7), gelang es dem Journalisten Alex Hannaford ein Bild von dem Leben Peter Dohertys zu zeichnen und den Segen von Jackie Doherty in Form eines Vorworts im Buch selbst zu bekommen. Dies impliziert einen gewissen Grad an Qualität des Buches, der sich nicht leugnen lässt. Hannaford hat zu großen Teilen penibel recherchiert (es stimmt allerdings nicht alles zu hundert Prozent) und sich sehr in die Einflüsse und Vorbilder von Peter und seinen Bandkollegen (u.a. natürlich Carl Barât) vertieft. Auch die Vision, das heruntergekommene England mit seiner Hauptstadt London wieder zu den alten Idealen zurückzuführen, die Peter so sehr begeistern, wird gut beschrieben (Anm.: oft wird diese Idee als „Journey to Arcadia“ mit dem Schiff „Albion“ bezeichnet).

Gut ist, dass Hannaford nicht gleich bei den Libertines loslegt, sondern auch den frühen Jahren in Dohertys Leben einige Kapitel einräumt. Natürlich beginnt die musikalisch relevante Zeit für Peter erst, als er nach London zieht und dort Carl kennenlernt. Die Ups und Downs der Libertines sowie die Formation der Babyshambles bilden den Kern des Buches. Über die Drogenexzesse und gescheiterten Entzugsversuche schreibt Hannaford wenig. Ein klares Plus für einen Journalisten, der sich endlich für das Wesen und die Musik des Sängers interessiert, und weniger für dessen Privatleben.
Dieses Buch vermittelt ein gutes Basiswissen über Peter Doherty und seinen musikalischen Werdegang sowie den der Libertines und Babyshambles und ist daher ein Must-Read für alle, die sich als Fan von Peter Doherty bezeichnen.

Und: als gewisses „Extra“ sind im Buch nahezu sämtliche Adressen von Clubs, Pubs und sonstigen Venues oder Orten (hauptsächlich in London) zu finden, die man mit Peter und seinen Kollegen in Verbindung bringen kann. Sicherlich nicht nur ich habe einige davon abgeklappert, als ich in London war…

Carl Barât's flat, "Albion Rooms", 112a Teesdale Street, Bethnal Green, East London

Carl Barât’s flat, „Albion Rooms“, 112A Teesdale Street, Bethnal Green, East London

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