Gig Review: Pauls Jets – Popfest Wien, 27.07.2018

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„Wo stehst du mit deiner Kunst?“ Eine gute Frage, die sich Paul stellt. Paul Hochhaus, wie er sich nennt, das Gehirn einer Band, die noch zu den Newcomern gezählt werden darf. Eine Gruppe von Musikern, die die Aufmerksamkeit des Publikums durch wilde, teils an Aktionskunst grenzende, theatralische Einwürfe auf sich zieht. Doch das kennen wir doch alles schon. Oder?

Es ist ein heißer Nachmittag am Popfest mitten in Wien. Die Leute sind gut drauf, die Sonne brennt hinunter und die Kinder plantschen im Becken vor der Karlskirche. Es scheint also nach einem perfekten Hochsommertag. Leise, fast heimlich und unscheinbar schleichen die Jets auf die Bühne, nachdem der Nino aus Wien in seiner charaktervollen, wurschtigen Art einleitende Worte zum zweiten Tag des Popfests gefunden hat.

Sie kamen, sie sahen, sie spielten – und das in einer überraschenden Lässigkeit, dass man eigentlich sofort dazu verleitet war, zuzuhören. Blumige Popsongs, vor Einfachheit strotzend und doch durch saftige Rhythmen unterlegte, gefühlvolle Ohrwürmer sind es, die aus den Verstärkern mit teils gellenden Verzerrungen schallen. Bassistin Romy Park zupft genüsslich und ohne unnötige virtuose Entartungen ihr Instrument, Paul Hochhaus, der Tonangeber, steht neben einem Keyboard und streichelt in zarten auf und ab Bewegungen seine E-Gitarre und Schlagzeuger Xavier Plus besticht mit sauberen Rockgrooves. Eine Mischung und Wiedergeburt von bereits Gehörtem. Doch nicht in einer Art und Weise, die störend wirkt oder gar peinlich verbraucht und ideenlos. Es wird daraus etwas Neues gemacht. Nichts von einer Verbrauchtheit oder verbissenen Rückführung auf altbekanntes Rockgedudel zu spüren. Die Stücke enthalten poppig-frische, klare Strukturen und nachdenkliche Lyrik. Mitten im Konzert ertönt ein Lied, das im Programm der Jets seinesgleichen sucht. Ein Lied, das am Karlsplatz abgefeuert wird und wie ein Lichtstrahl durch den Kosmos schießt. Sicherlich noch immer unterwegs…Zweiundzwanzigtausendsiebenhundertdrei: „400 Millionen dividiert durch zwei,“ so geht der Refrain, der gleich am Anfang ans Publikum ausgesendet wird. Ein klarer, gerader Popsong, der durch seine an Kinderlieder erinnernde Einfachheit wie eine Hymne ins Ohr geht.

Schnell merkt man auch, dass der Sänger in seiner scheinbaren Hilflosigkeit und Zerstreutheit, die sympathisch scheint, nicht viel davon hält, eine gewöhnliche, stimmungsanheizende Bühnenshow hinzulegen. Vielmehr verliert er sich in seinen Gedanken, die er unverfroren und etwas tollpatschig ausspricht. Dem Publikum mitzuteilen, dass man sein Stimmgerät nicht ordentlich sieht und deswegen Schwierigkeiten hat, sein Instrument zu stimmen, wäre in den meisten Fällen wohl ein stümperhaftes Gehabe. Bevor man nichts zu sagen hat, sagt man lieber sowas. Wer dergleichen von sich gibt, will meist zwanghaft eine peinliche Stille vermeiden, oder man schafft es tatsächlich, dabei authentisch zu sein. Bei den Jets trifft Letzteres zu. Es hinterlässt den Eindruck einer gewollten Masche.

Auch die deutschen Texte kommen aus einer abgrundtiefen Ehrlichkeit. Hier werden Lebenssituationen und scheinbar beiläufige Gefühle bunt mit musikalischen Harmonien eingefärbt. Wegen Hochhaus‘ Art, zu singen, muss man wieder an bereits Vorhandenes Denken, bspw. an Andreas Spechtl von Ja, Panik. So, als wollte er diese Kunst mit eigenen Mitteln variieren und verschnörkseln.

Die eingangs erwähnte Theatralik zeichnet sich durch Pauls belangloses Am-Boden-liegende-Singen, Auf-den-Knien-hockende-Spielen oder das Klinkenkabel-verbiegende-in-die-Luft-Springen aus. Dinge, die man irgendwie eh schon kennt und nichts Neues sind. Doch sie schaffen Stimmung und gute Laune und das Gefühl, dass im Leben nicht alles perfekt sein muss.

„Ich war ein bisschen krank die letzten Wochen,“ teilt er uns mit, „und hab‘ viele Hörspiele gehört.“ Ganz beiläufig, mit einer leisen, fast schüchternen Stimme. Plötzlich schießen uns dann ganz andere, bestimmtere, selbstsicherere Töne entgegen, wenn Pauls Jets ihre Lieder nach solchen Zwischenansagen spielen. Dieser Kontrast ist es auch, der den ganzen Auftritt interessant macht.

Aber das ist nicht alles.

Vielmehr scheinen Pauls Jets, die die Bühne als erste Band des Tages betreten hatten, uns etwas sagen zu wollen. Wohin führt die aktuelle Musik? Wer so viele Charakteristika, wie man sie heute vor allem in der Wiener Musikszene vorfindet, zusammenknotet, will uns doch womöglich darauf hinweisen – als eine Art der Reflexion. Bewusst oder unbewusst, das sei dahingestellt. „Wo stehst du mit deiner Kunst?“. Man kommt jedenfalls nicht umhin, darüber nachzudenken.

Autor: Lukas Brunner


 

Mehr Info / Photo Credits:

https://www.facebook.com/paulsjets/
https://popfest.at

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Festival Review: Waves Vienna 2017

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In einem solchen Ambiente wünscht sich wohl jeder, ein Festival zu erleben. Es sind Innenhöfe, in denen man sich sofort zu Hause fühlt: wilder Wein windet sich vorbei an ausladenden Fenstern der braunen Backsteinwände; Bierbänke sind links und rechts aufgereiht…der Komplex hat eher den Charme eines urigen Heurigen als jenen einer top-angesagten Wiener Location. Das WUK auf der Währinger Straße: untertags spielende Kinder, in der Nacht reges Festivaltreiben.

 

© Ghost of You

 

Irgendwo mittendrin ist ein festlicher Saal, kurz nach 19:00 Uhr. Es ist dunkel. Auf der Bühne, die in ein tiefes Blau getaucht ist, sind ein paar Silhouetten auszumachen. Pünktlich auf die Minute, wie es eben für ein Showcase-Event üblich ist, beginnt die Vorstellung.
Nach einem einleitenden Beckenwirbel der langsam wieder verklingt, setzt ein magnetischer Schlagzeug-Groove ein, gefolgt vom mystischen Gesang der Gestalt am Bühnenrand, deren Gesicht jetzt deutlicher zu erkennen ist. Die Stimmung im Saal baut sich langsam aber stetig auf und aus dem dargebotenen Post-Punk-Gedudel kristallisiert sich allmählich eine deutliche Linie heraus. Plötzlich ändert sich der Rhythmus. Der Beat wird hektischer, der Gesang wandelt sich von mystisch-dahinschwebend hin zu mehr Verzweiflung in der Stimmlage. Das ist wohl eine bemerkenswerte Eigenschaft dieses tschechischen Quartetts, die einem als erstes auffällt: die Stücke beginnen mit einer tragenden Schlagzeug-Figur, gefolgt von einer akzentgesetzten Basslinie und fein unterstreichenden E-Gitarrenklängen. Dieser Gesamteindruck zieht den Hörer wohl unmittelbar in den Bann, zumal der Drummer seine Grooves auch gestochen scharf servieren kann. Es schmeckt nach Rock und ist obendrein gut gewürzt mit Klängen der beiden Synthesizer, die von Bassist und Gitarrist abwechselnd bespielt werden.
Kaum hat man sich in den Song eingefühlt und ist in seiner Zone angekommen, hört dieser aber auch schon wieder auf. Kurzweiligkeit steht also an die Fahnen dieser Band geschrieben, deren Namen so frei interpretierbar ist, wie die vernuschelten Ansagen des Sängers: Ghost Of You.
Obwohl die Nummern allesamt nicht lange dauern, fühlt man sich von deren Stimmung in den einzelnen Passagen, den langaushaltenden elektronischen Tönen, den variationslosen Drumgrooves, den unterstreichenden Saitenklängen und einer Stimme, die sich in ihrer stetigen Gelassenheit gut dem Sound anpasst, doch wie weggetragen. Aber Ghost Of You können auch anders: ein Beispiel dafür gibt der nächste Song. Ein cooles Bassriff, rockiger Groove und zartes Streichen der E-Gitarre zu Beginn. Der Gesang setzt wie im Kanon ein. Doch plötzlich Stilbruch – weg vom Rock – hin zum leichtfüßigen Indie-Rock-Sound mit Off-Beat-Begleitung der Rhythmusgitarre.
Eine klare Richtung und eine zielstrebige, genrebewusste Haltung legen die überzeugten Performer im letzten Song Horses dar. Auf einen einsetzenden Schlagzeugbeat folgt auf einen Schlag der Bass, der in einem derart prägnant durchgängigen 16tel Riff massiert wird, dass einem die Kinnlade offen stehenbleibt.
Ein solider Auftritt einer Band, die zu keinem Zeitpunkt Hang zur Übertreibung oder Ausuferung zeigte. Bravo!

 

© Lea Santee

 

Keine 50 Meter weiter stellen sich, ohne lange zu fackeln, Lea Santee auf die Bühne. Ein Komponistenduo mit perkussiver Unterstützung. Ein flächiger Sound, der von E-Drum, Synthesizer und der glasklaren Stimme der Sängerin stimuliert wird.
Obwohl die Strukturen der Trip Hop und Dance Pop angehauchten Lieder leicht zu durchschauen sind, haben sie etwas hochwertiges: die Drums sind gut mit Bass und Synth abgemischt, an der Spitze die Sängerin mit der Hilfe von ein paar Voice-Effekten – eine schlanke, modisch gekleidete junge Frau, die es versteht, sich in fließenden, eleganten Tanz-Bewegungen mit der Musik zu präsentieren. Die Musik ist in ihrer Ästhetik ein Gemisch aus Lana Del Rey und Selena Gomez, was in keinster Weise als abwertend zu verstehen ist. Leichte Kost für ein offenbar schwierig zu beeindruckendes Publikum.

 

© Fai Baba

 

Fai Baba beginnen ihre Performance mit vibrato-unterlegter Country-Musik. Es hat etwas psychedelisches an sich. Ein Mischmasch. Was für eine plumpe und verbrauchte Einleitung. Hoffentlich geht es bald los!
Zu Beginn steht ein langsamer, zurückgelehnter 4/4-Beat, der doppelt so lang erscheint. Bald wird klar, dass die Band gerne mit kurzfristig dynamischen und dann wieder abflachenden Passagen spielt. Es fällt also schwer, eine klare Linie herauszufiltern, an der man die Musiker und deren Kunst einordnen kann. Die Gitarre wird oft und gerne mit Vibrato und anderen Effekten versehen, der Sänger scheint selber kurz vor dem Einschlafen zu sein, was dem ganzen jedoch irgendwie Charme verleiht, und die Musik ist gut, wenn man auf einem Acid-Horrortrip ist und versucht wieder herunterzukommen. In der Gesangmelodie vernimmt man plötzlich die Tonfolge von Roy Orbisons Crying, jedoch mit anderem Text. Man weiß also noch nicht so ganz wohin damit. Das Ende des Songs klingt wie der Ausklang einer ganzen Tournee, bei der beim letzten Lied die Instrumente auf stupide Weise so lange durch wiederholende Handbewegungen missbraucht werden, dass statt eines schönes Klanges einfach Lärm entsteht, dem durch „den finalen Beckenhieb“ ein Ende gesetzt wird. Doch der Schein trügt. Aus diesem Klang-Cluster geht keine peinliche Pause hervor, sondern ein durchaus lebhafter, rockiger Drumgroove, der energetisch so ziemlich das Gegenteil zum Vorherigen darstellt. Ein Wiederaufleben von Punk in all seinen Facetten, mit der einzigen Ausnahme des markanten, träumerischen Gesangs von zuvor.

 

© KLAN

 

Genug gehört…

KLAN spielen in der WUK-Halle und erfüllen jede Erwartung: eine soulige Stimme, getunkt in Mitleid, Herzschmerz und Poesie, die uns in einen poppigen Refrain führt, umgeben von einem erfrischend cleanem E-Gitarren-Sound und einer Melodie, die sofort ins Ohr geht. Die Stimme des Sängers ist ein Hinhörer und führt uns in einen Zustand des Tiefgangs und der Nachdenklichkeit, mit einem zuversichtlichen Blick nach oben. „Ich bin zu teilen bereit, denn ich hatte genug, genug, genug Einsamkeit…“ Ein Lustfeuerwerk. Interessant, wie man mit so wenig Mitteln derart effektvolle Musik produzieren kann. Ist wohl auch der Klarheit und Ehrlichkeit der Stimme des Sängers zu verdanken. Pop, der leicht die Kehle heruntergeht und endlich wieder deutschsprachig ist, vorgetragen von zwei sympathischen jungen Männern aus Berlin.

Autor: Lukas Brunner



Mehr Info & Photo Credits:

http://www.wavesvienna.com
http://ghostofyou.cz
http://leasantee.com
http://www.atreeinafieldrecords.com/artists/fai-baba/
https://www.facebook.com/kaelaen/

All photos are property of the above mentioned bands and institutions.

Festival Review: Lovely Days Festival, 09.07.2016

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This year’s Lovely Days Festival took place in Schlosspark Eisenstadt, Austria. For the first time the festival managers decided to choose a new location instead of the very popular Wiesen – a good decision, the ambience was fantastic!

This was the line-up:

Ten Years After
The Sweet
Mother’s Finest
Seiler & Speer
Jethro Tull’s Ian Anderson
Deep Purple

The excitement was tremendous – as were the expectations.

Ten Years After, a band that played Woodstock and could arguably be called a historical group, was formed in 1967 by Leo Lyons (bass) and Alvin Lee (guitar, vocals). Now, the frontman is the much younger Marcus Bonfanti (guitar, vocals, harmonica) and he is doing a great job. Not only is he a capable guitarist, his voice is just mind-blowing! Only thing was that the other, well, older band members seemed and sounded quite tired indeed. Ric Lee’s drumming especially was pretty loose. But apart from that, Ten Years After served the crowd some fine blues rock with a great young singer.

Next in line were The Sweet – what an iconic band! Who does not know their glam rock hits Fox On The Run or Teenage Rampage? As if on purpose, their performance was quite the opposite of Ten Years After: better drumming, weaker vocals! To be honest, it was  hard concentrating on the music since it lacked energy. It seems their era is likely coming to an end.

The low point of the day for me were Mother’s Finest. The funk-rock-soul-crossover band consisting of six members, including the female singer Joyce Kennedy, who did most of the main vocals, was the weakest group considering musical ability. The singer’s voice does have power and good quality, she just did not use it adequately and thus sounded somewhat hysterical most of the time, which was not exactly pleasant listening to. What was worse though, was the guitar performance by Gary Moore (how wrong it sounds saying that…but the guy’s name really is Gary Moore!). Admittedly I do not know whether he is always on such a low level or if he just had a bad day – but this was more Guitar Hero above anything else.

Followed by Seiler & Speer, a momentary hit-wonder in and from Austria, did not exactly enhance my mood. I felt like on Oktoberfest or the like. Anyway, I found that they were actually quite alright. The vocals were fine and so were the musicians, but the best thing was is that they were really sympathetic and motivated the crowd. Righteously they also made sure to mention that they feel very out of place on a rock festival like that one, but honestly thanked everybody for supporting them, which was really nice.

Finally, the acts that I actually came for were about to start. First off was Ian Anderson – a total favourite of mine. Being a huge Jethro Tull fan (the first band that enters my mind when hearing the term “prog”) and listenting to the records up and down for years on end, I could not believe I was going to see this legend live on stage. It was a cool concert, he played songs like My God, Songs from the Wood, a few tunes from the 16th century and naturally the classics such as Thick as a Brick, Aqualung (god, what an album!) and Locomotive Breath. Strange thing was, though, that the concert was at its best in the beginning but gradually decreasing in terms of voice quality. This might have to do with his age, but it might also be the fact that he just does not dig his own hits anymore (Locomotive Breath was the Jethro Tull encore since 1972…imagine that!) and therefore wants to add a slight change to them at every gig. „Slight change“ meaning he just sung it differently than on the record – in the end he did not even really sing anymore, it was rather more of a whining on every syllable. I cherish improvisation, but it just did not sound good. Overall it was a good performance though, especially in terms of instrumental quality.

The festival’s headliner, Deep Purple, was naturally arousing the most excitement that night. The crowd was expecting hard rock hymns by one of the greatest hard rock bands of all time. Well, that’s what the crowd got, starting off with Highway Star. Knowing that Ian Gillan’s voice is not comparable anymore to his younger days, and the fact of Highway Star being a very difficult song lyrically and melodically, that song didn’t turn out all too well.  But I was prepared for that and looked forward to what came next. Funny thing was that again the performance was the opposite to the act before. Now, the concert got better and better toward the end regarding Ian Gillan’s vocals. Instrumentally both bands were flawless. They naturally played the classics: Strange Kind of Woman, Black Night, Smoke on the Water and Hush for the encore.

To sum it up: three out of six acts were really cool. Ten Years After surprised me because of the very good singer, Ian Anderson and Deep Purple were partially exactly how I hoped they would be, and partially they didn’t fulfill my expectations. The main point here being that age always takes its toll, and that an era of legends is definitely coming to an end – you can feel it more than ever now. So just make the most of it and use every chance you get to see your legends – I’m glad I did.

Photo Credits:

© Lovely Days Festival

Festival Review: Desert Winter Sun – Stoner Rock Festival Vienna, 29.01.2016

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Nach drei Sommereditionen im August stieg das „Desert Sun“-Stoner Rock Festival nun um die zur Jahreszeit passende Erweiterung „Desert Winter Sun“ am 29. und 30.01. im Viper Room Vienna. Ich war an dem ersten der beiden Tage vor Ort und traf auf folgendes Line-Up:

Mothers of the Land (Wien)
Ultima Radio (Graz)
PROTOTYPER (Wien)
KRPL (Graz)
Blue Pail Fever (Wien)
UGF (Oberösterreich/Bayern)

© Mothers of the Land

© Mothers of the Land

Bereits um 18:45 legten Mothers of the Land mit ihrem Set los. Dieses dauerte zwar, wie vorgesehen, etwa 45 Minuten – die Band verlor wegen technischen Problemen aber einiges an wertvoller Zeit. Prompt als die Gruppe startete gab es Probleme mit dem Topteil von Gitarrist Jack – leider verstummte sein Instrument völlig, und es dauerte zwei ganze Nummern inklusive Pause, um das Problem zu beheben. Sichtlich angespannt spielte der Gitarrist dann auch den restlichen Gig hindurch. Während des Ausfalls stemmte Gitarrist Georg das melodische Gewicht, was aber durchaus gelang, da Mothers of the Land einige Zeit sowieso „nur“ ein Trio waren. Ganz richtig stellte er klar, dass nicht immer alles glatt laufen könne – dennoch zehrte der technische Ausfall an der Gesamtperformance. Und obwohl ich sie schon in besserer Form gesehen habe (nachzulesen hier): Mothers of the Land ist eine Wiener Instrumentalgruppe, die aufregenden, authentischen Heavy Rock spielt und ich jedem nur ans Herz legen kann – Songs wie Cold Sun, Temple Without Walls und All the Way sind wahre Juwelen, die jedes Mal mitreißen. Es ist eine Band, die man sich einfach verdammt gerne anhört. Und sobald das Album fertig ist, kann man das auch endlich jederzeit tun.

© Ultima Radio

© Ultima Radio

Es folgte Ultima Radio, eine Grazer Band, die im Vergleich eher psychedelisch unterwegs ist – was man bereits beim Soundcheck des Sängers hörte, der ziemlich exotische Töne von sich gab. Die Truppe trat an diesem Abend zu fünft auf, mit Zdravko Konrad am Mikrofon, Julian Jauk und Benni Krause an den Gitarren, Stefan Scherer am Bass und Peter Namdar am Schlagzeug.
Diese Band wirkte auf mich wie eine zufällig bunt zusammengemischte Gruppe, bei der viel gewollt und noch mehr getan wird – nur, dass eben nicht alles ganz zusammenpasst. Stimmlich war ich vom Sänger beeindruckt – dieser scheint viel Inspiration aus fernen Ländern wie beispielsweise Marokko (mit dem passenden Song Moroccan Honey) zu beziehen und mischt verschiedene Elemente zu einem auffälligen Ethno-Stil zusammen. Allerdings passen mir dazu die straighten Instrumentalisten nicht: eine Gitarre ging in Richtung Ska-Punk, die andere war eher Stoner-typisch statisch, das Schlagzeug erinnerte dagegen an braven Pop (bitte mehr reinhauen!). Einzig der Bassist harmonisierte mit den Ideen der Songs – wenngleich auch hier mehr gewagt werden dürfte. Ich finde Ultima Radio durchaus interessant, beeindruckt war ich von zwei Stellen innerhalb eines Songs, wo kurz alles verstummte und Sänger Zdravko Konrad ohne Mikrofon (!) weitersang – und wie! Nachdem die Band die Bühne verlassen hatte, wusste ich jedoch immer noch nicht ganz, woran ich war. Reduktion wäre hier wohl einen Versuch wert.

© PROTOTYPER

© PROTOTYPER

PROTOTYPER, die nächste Band des Abends, gegründet 2011 in Wien, hat vor fast einem Jahr ihr Debütalbum Cities veröffentlicht. Laut eigenen Angaben spielt die Gruppe Sludge und Stoner Rock. Die nötige Power an den Instrumenten, die mir bei der vorangegangenen Band fehlte, war hier auf jeden Fall vorhanden. Großes Kompliment geht hier vor allem an Schlagzeug-Maschine Christoph Schwaiger für eine extrem tighte Leistung an den Drums. Dafür musste man als Zuhörer nun Abstriche beim Gesang machen – diesbezüglich zeigte Ultima Radio mehr Potential. Zu monoton fielen hier Martin X. Forsters Lines aus, und sobald mehr versucht wurde, waren schiefe Töne dabei. Zu wenig Melodik führt bei der Band in diesem Fall dazu, dass die Songs zum einen sehr ähnlich klingen, zum anderen keine Nummer wirklich ins Ohr geht.
Alles in allem klingt die Musik von PROTOTYPER wie ein Modern Grunge-Projekt mit partiellem Nirvana-Verschnitt.

© KRPL

© KRPL

Instrumental ging es mit dem Trio KRPL aus Graz weiter. Gegründet 2014 arbeiten die Musiker momentan an ihrem Debütalbum, dessen Erscheinungszeitraum allerdings noch nicht bekannt ist. Hier handelt es sich um eine Band, die sich selbst und ihre Musik wohl nicht allzu ernst nimmt. Daher konnte ich es auch nicht wirklich tun. Spätestens nach der dritten Nummer war ich (trotz gutem Schlagzeuger) total gelangweilt. Es ist immer schwierig, ohne Vocals das Publikum zu fesseln. Allerdings zeig(t)en Mothers of the Land vor, wie man es richtig macht: mit spannenden Riffs, kreativen Fills und catchy Melodien. Davon konnte ich bei KRPL kaum etwas entdecken.
Dennoch ist zu sagen, dass die Band auf jeden Fall eine definitive Fan-Base vorweisen kann – so mancher im Publikum war komplett aus dem Häuschen.

© Blue Pail Fever

© Blue Pail Fever

Die Enttäuschung des Abends sollte jedoch noch folgen – in Form des Duos Blue Pail Fever. Die Sludge Punk-Musiker aus Wien lieferten schon beim Soundcheck Aussagen ab, die total daneben waren. Dies ging sogar so weit, dass der Tontechniker drohte, ihren Auftritt abzusagen. Spätestens hier lenkten sie ein und fingen mit ihrem Set an. Dieses trug jedoch nicht dazu bei, sie in ein besseres Licht zu stellen. Eintönige Riffs, fragwürdige Lyrics und arrogantes Gehabe zeichneten die Schlagzeuger-Gitarristen-Kombo aus und brachten einige Leute (einschließlich mich) dazu, schleunigst das Weite zu suchen.

Daher habe ich auch die letzte Band des „Desert Winter Sun“-Festivals Tag 1, UGF, nicht mehr gesehen.

 

 

Mehr Infos / Photo Credits:

© Viper Room Vienna, http://www.viper-room.at
© Mothers of the Land, http://www.soundcloud.com/mothers-of-the-land
© Ultima Radio, http://www.youtube.com/ultimaradiochannel
© PROTOTYPER, http://www.prototypermusic.com
© KRPL, http://krpl.bandcamp.com
© Blue Pail Fever
© UGF, http://undergroundgroovefront.bandcamp.com

Festival Review: Lovely Days Festival, 04.07.2015

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The Doors Alive
Nazareth
Uriah Heep
Jimmy Cliff
Status Quo
Eric Burdon & The Animals

Reading such a lovely Line-Up, one simply couldn’t not go to 2015’s Lovely Days Festival in Wiesen, Austria.

The festival area of Wiesen is quite a small one, with only one stage, one food-tent, one sanitary station. But exactly its size makes it so comfortable and intimate. The thing about this festival especially is that people do actually go there because of the music. There was no fighting, no mayhem; it was all truly peaceful. Certainly, one of the reasons for this was the average age of about 40 of most of the 40.000 visitors, but this is hardly an important factor. What constitutes a good festival is – as always – the music.

The first band to take the stage was The Doors Alive, not hard to guess: a The Doors–tribute band. They opened their set with Light My Fire, rolling on from one hit to the next, including Touch Me, Roadhouse Blues, Break On Through, Riders On the Storm, and many more. They closed the set with The End, and in some moments I could have sworn it was Jim Morrison singing. They copied their role models fantastically, obviously being highly trained musicians, with a great keyboard player. As the singer told the audience, it was the first time for them to perform in Austria. Maybe that was the reason for them being a little, well, quiet. The frontman hardly said a word, the performance was not energetic at all. For a live concert, this was a bit too phlegmatic, but the musical quality was without a doubt very high.

Next came Nazareth – a band I was very excited to see. Being from Scotland the band announced their performance with nostalgic bagpipe-playing. Then the four guys came on stage, with bassist Pete Agnew being the only original member. The new singer, Carl Sentance, joined in 2015. Nazareth would have completely rocked the audience’s heads off, hadn’t it been for their boring guitarist Jimmy Murrison. Naturally he plays the guitar well, but he was so lazy and undynamical, there was no tightness in his playing at all. This immediately reduced the whole band’s performance, which is really unfortunate, since the singer did a truly great job with his powerful voice and its range.

Having already seen Uriah Heep in Vienna last November (review here) I had high expectations regarding this band. Sadly, I was really disappointed in comparison to the last gig. Singer Bernie Shaw was not at his best, honestly the whole band seemed really ’down’. One might guess the reason for this lack of energy is their extensive touring over the last months, with a show almost every day, traveling around, doing the same thing over and over again. The setlist this time was exactly the same as in Vienna, the bits and speeches in between the songs were exactly the same, too. Knowing how good Uriah Heep actually are, it was far more disappointing to see them hitting rock bottom.

Famous Jamaican reggae artist Jimmy Cliff instantly brought a change of atmosphere. To his all-time-hits I Can See Cleary Now, You Can Get It If You Really Want, Wonderful World, Beautiful People etc. the whole audience wouldn’t stop dancing, everybody seemed so happy. And this was again the reminder of what music is supposed to do, when it comes down to the very core. Jimmy Cliff managed to put a smile one everyone’s face with a few simple tunes played and sung perfectly.

To Status Quo I honestly cannot say much – they were the band I put the least interest in before as well as during the festival. Somehow I just never really liked them – the songs, the tunes, for me there is simply too little going on. Certainly they were the highlight for a lot of people in the audience, though, and judging by only the few things I know and the few things I’ve seen that day, I think they satisfied their fans. I was not touched by their performance at all, though.

Finally Eric Burdon, my actual reason for buying a ticket to this festival, came on stage. And if there is one thing to be said: this old English man has still got it. Singing about Bo Diddley and spilt wine he proved to still have the Blues. He has become old, and his voice definitely has changed to a darker and deeper timbre, but in some moments he sounded just like on his old records. After only a few tunes it was clear that a legend is up on stage – somebody who is officially one of the greatest singers of all time. He proved very energetic, his voice strong. Approaching the end of the set, though, I think he did get a little tired. This great show, naturally including The Animals and War hits like Don’t Let Me Be Misunderstood, House of the Rising Sun, We Gotta Get Out Of This Place, only lacked one song I wished for: As the Years Go Passing By.

Looking back, it really was a very Lovely Day.

Photo credits:

© Lovely Days Festival

Festival Review: Sonic Heartbreak Festival, 28.11.2014

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Hier folgt das Review über die beiden Wiener Bands FREDDIE RED und BREWTALITY, die ich mir am Abend des 28. November in der Szene Wien im Rahmen des diesjährigen Sonic Heartbreak Festivals angesehen habe.

freddie red logo

FREDDIE RED ist eine authentische Rock’n’Roll Band, die aktuell aus vier Mitgliedern besteht. Darunter befinden sich Flo Weninger (Gitarre, Vocals), Raphael Weninger (Gitarre), Claus Trophobia (Bass) und Markus Graf Gabriel (Drums). Die 2010 gegründete Gruppe kann neben dem selbstgegründeten Label „FREDDIE RED Records“ auch das Debütalbum „FREDDIE RED ON FIRE“ vorweisen.
Unvoreingenommen lauschte ich dieser Band, die mich mit dem ersten – und sehr eingängigen – Titel Be A Rocker begeisterte. Hier passte viel: Fantasie, Melodie, Energie. Das Kapital von FREDDIE RED ist unbestritten Sänger und Gitarrist Flo Weninger. Prinzipiell hat der Frontmann eine eher tiefe und rauchige Stimme, was im Grunde immer gut ankommt. Trotzdem schlägt er manchmal auch höhere Töne an und traut sich zu schreien, wie etwa bei dem Titel I’m On Fire. Hier allerdings Vorsicht: da zu viel Geschrei schnell unmelodisch klingen kann, gilt „weniger ist mehr“. Unsicherheiten konnte ich keine ausmachen, der Gesang hat überzeugt. Auch an der Gitarre stellte der Sänger sein Können unter Beweis, wobei es jedoch den Anschein hatte, dass ein leises Ungleichgewicht zwischen dem Spiel beider Gitarristen herrscht. Hier fände ich eine überarbeitete (Soli-)Aufteilung besser.
Überraschende Dynamik beim Bassisten: als offenbar agilstes aller Bandmitglieder hatte er den größten Bewegungsradius von allen und widerlegt somit gekonnt das Faulheits-Klischee, das Bassspielern anhaftet.
Nicht ganz zufrieden war ich mit der Setlist, einige Songs fehlten mir, wie zum Beispiel Better Days, I Want You und vor allem Thinkin‘ About You. Zwar ist letzterer nicht mein Favorit, wohl aber der Song der offenbar für die stärkste Publikumsresonanz sorgt. Es ist ein vergleichsweise ruhig und einfach gehaltener Song, der sofort ins Ohr geht und auch dort bleibt. Perfekt, um Abwechslung in den Auftritt zu bringen und sich neue Fans ins Boot zu holen – warum also nicht spielen? Vor allem hätte er doch so gut zu dem „Sonic Heartbreak“-Abend gepasst…
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Eine Band, die massenhaft Live-Erfahrung mitbringt – hat sie sich doch (in diversesten Formationen) in über zehn Jahren durch so gut wie alle Wiener Konzertlokale gespielt – ist BREWTALITY.
Ein Power-Trio, das seinen Einfluss vorwiegend aus den 70ern zieht und dabei aber laut Bassist David Zenz „keine Kopie der 70er sondern eigentlich eine Weiterentwicklung“ verkörpert. Mit Ben Arslan an den Drums und Alexander Karlin als Sänger und Gitarrist ist eine Band entstanden, die mich vor allem durch die starke Bühnenpräsenz aller Mitglieder beeindrucken konnte.
Neben der guten Leistung an den Instrumenten sehe ich die Baustelle dieser Gruppe beim Gesang (hauptsächlich beim Frontmann aber auch bei den Backing Vocals). Zwar gibt es aufregende Screamings, die gut gelingen, vor allem aber bei diversen Refrains (wie u.a. von For A Weekend oder Lovestick Jungle) sind falsche Töne dabei, die dort nicht hingehören.
Überrascht hat mich das Cover des Deep Purple Songs Highway Star. Nicht, weil der Stil des Songs und dessen Interpreten nicht zu BREWTALITY passen, sondern weil ich die Band zugegeben eher als Cover-Verweigerer eingeschätzt hätte. Prinzipiell finde ich es sehr gut, wenn Bands bei Konzerten auch Covers spielen. Sie müssen allerdings gut ausgesucht und performt werden. Ist das der Fall (wie hier bei dem Gig von BREWTALITY), wird eine Serie von Vorteilen ausgelöst: das Publikum kennt den Song, singt mit, tanzt, die Stimmung steigt – und das resultiert in erhöhter Aufmerksamkeit und Akzeptanz vom Zuhörer für die Band.
In diesem Jahr hat BREWTALITY ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um ihr Debütalbum zu finanzieren. Eine sehr gute Idee – ich drücke die Daumen!

 

Weitere Infos / Empfehlungen / Photo Credits:
http://www.freddieredrock.com (FREDDIE RED Website) ©
http://www.brewtality.at (BREWTALITY Website) ©
© Sonic Heartbreak Festival