„lullaby and…The Ceaseless Roar“ – Robert Plant

Robert Plants eigens produziertes, zehntes Soloalbum wurde am 08. September 2014 bei Nonesuch/Warner Bros. Records veröffentlicht. Alleine war Plant jedoch nicht: seine Backing Band The Sensational Space Shifters bilden die instrumentale Seite bei jedem der zehn Tracks.

Diese Bande von Musikern sind alte und neue Freunde, die sich in Amerika zusammengefunden haben um gemeinsam auf eine große Reise zu gehen, Spaß zu haben…und letztlich auch ein Album aufzunehmen. Jeder kommt aus einer anderen Stadt, einem anderen Land und hat eine andere Geschichte. Vorwiegend kommen die Mitglieder des Projekts aus Amerika, wo Robert Plant als Brite für das ungeübte Auge wenig hineinpasst. Befasst man sich jedoch mit seiner Biographie, stellt man schnell fest, dass er England lange ferngeblieben ist, um in Amerika zu leben und sich dort intensiv mit praktischer Ethnomusikologie und vor allem Folk Rock zu beschäftigen.

In diesem sehr experimentellen und dennoch bodenständigen Album schwingen Ethno-Themen wie Freigeist, Migration, Reisen und Abenteuer deutlich mit. Plants Gesang mit Instrumenten wie Banjos zu kombinieren, oder ihm bei dem Imitationsversuch eines „Mountain Man“ zu lauschen, ist ungewohnt, aber durchaus interessant. Es ist wahrlich ein Multi-Kulti-Werk, dass Kulturen, Sprachen und Instrumente aller Art vermischt, um sie dann dennoch am selben Strang ziehen zu lassen.

Highlights auf diesem Album sind in jedem Fall die ruhigen Tracks House of Love und Somebody There. Strikte Led Zeppelin-Fans, die prinzipiell im Hard Rock angesiedelt sind, werden mit diesem Album vermutlich wenig Freude haben. Mit Led Zeppelin hat Robert Plant im Grunde nur mehr wenig am Hut, wenn man das so ausdrücken darf. Er erwähnt die gemeinsame Vergangenheit kaum, nicht, weil er sie verleugnen will oder nicht stolz darauf wäre. Als Musiker hat er sich allerdings weiterentwickelt – und möchte dies auch weiterhin tun. Robert Plant wird oft als „shape changer“ beschrieben, da er vor, während und nach Led Zeppelin ganz unterschiedliche Stile lebte. Zwei großartige Interviews sind hier zu finden:

http://www.youtube.com/watch?v=Avl3F1kBrrM (von last.fm)

http://www.youtube.com/watch?v=pBUg1fymR-Q (von Studio Q)

Nehmen wir dieses Album also einfach als das an, was es ist: ein ehrliches Geschenk von dem großartigen Robert Plant. Er trauert der Vergangenheit nicht nach, also sollten seine Fans das auch nicht tun.