Film Review: „Amy: The Girl Behind the Name“

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„I’m not a girl trying to be a star“

Amy ist eine Doku über das kurze Leben der britischen Soul-Sängerin Amy Winehouse, veröffentlicht im Juli 2015 von Regisseur Asif Kapadia.

Definitiv ein lange im Voraus angekündigtes Projekt, bis zu dessen Veröffentlichung ich mich nur schwer gedulden konnte. Der Grund: Amy Winehouse war in meinen Augen die – seit langem – mit Abstand beste weibliche Stimme, die bis vor wenigen Jahren die Charts aufmischte. Und das mit zu größtem Teil eigenen Ideen, ganz bestimmt aber mit ihrer besonders eigenen Stimme. Wenn Amy Winehouse singt, rückt jegliche instrumentale Begleitung in den Hintergrund. Und sowas passiert nicht bei vielen SängerInnen – zumindest nicht heutzutage. Einmal hätte ich sie um Haaresbreite live gesehen, am Nova Jazz & Blues Nights Festival 2011 in Wiesen. Sie wäre der Hauptact des zweiten Festivaltages gewesen – am 24. Juli. Am 23. Juli verstarb sie.

Der Film erzählt also chronologisch von Amy’s siebenundzwanzig Lebensjahren, die schon früh von Talent und Kreativität geprägt waren. Gezeigt werden private Filmaufnahmen von Familie und Freunden, in denen die junge Frau zu sehen ist – anfangs sogar noch ungeschminkt. In der Doku werden Kindheit, Adoleszenz, schulischer und beruflicher Werdegang behandelt, vor allem aber die negativen Seiten ihres Lebens wie Bulimie, Drogensucht und Tod.

Durchschaubare Schemen

Obwohl ich zunächst positiv von der Genauigkeit und den interessanten Details zu ihren ersten musikalischen Schritten bis hin zu ihrem Debütalbum Frank, welches im Mainstream noch keinen wirklichen Anklang fand, schwenkt der Fokus mit der Erzählung über Back To Black (ihrem Durchbruchswerk) stark um. „I’m not a girl trying to be a star or be anything other than a musician“, wie sie selbst sagte. Ein Zitat, das nicht nur auf der Website der Doku aufscheint, sondern auch im Film selbst Aufmerksamkeit bekommt. Wieso hält man sich dann nicht daran, auch nachdem der Durchbruch eintritt? Primär interessant sind plötzlich Amy’s Lifestyle, ihre Romanze mit Blake Fielder-Civil und ihr Drogenkonsum, nicht mehr die Musik. Was nicht heißt, dass der Film Amy verurteilt – er beugt sich allerdings doch der tragischen Seite, nach der das breite Publikum lechzt. Schade.

Auch interessant: Obwohl man natürlich nicht über die genauen familiären Umstände urteilen kann, gibt es im Film ein paar Ausschnitte, die Amy’s Vater Mitch Winehouse in ein sehr fragwürdiges Licht rücken. Zum Beispiel, als Amy auf einem eindeutigen Weg der Besserung während ihres langen Aufenthalts auf der Insel St. Lucia war und ihr Vater plötzlich mit Kamerateam anrückte, scheinbar um mit neuem Medienrummel um seine Tochter Geld zu machen. Mitch Winehouse kritisiert den Film scharf und sagt, in dem Werk werden nicht nur seine Tochter, sondern auch ihre Angehörigen verzerrt dargestellt. Im britischen Guardian hieß es, er plane nun den Dreh eines eigenen Amy-Films, um die Dinge klarzustellen. Die Macher des aktuellen Amy-Films reagierten darauf relativ gelassen. Wem man nun glauben soll?

Am besten, man macht sich sein eigenes Bild. Und obwohl der Film sehenswert ist, sollte er sicher nicht als Basis dazu dienen.

Autorin: Robin Frank