Film Review: „Jimi: All Is by My Side“

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Tolle Besetzung, schwaches Drehbuch

Jimi: All Is by My Side ist ein 2013 erschienenes Jimi-Hendrix-Biopic, ein Spielfilm von Regisseur John Ridley (12 Years A Slave). Behandelt werden die Jahre 1964-1967, von der Reise des Musikers nach London bis zum Eintreffen am legendären Monterey Pop Festival.

In der Hauptrolle ist Outkast-Frontmann André Benjamin („André 3000“) keine Fehlbesetzung. Als rechtshändiger Gitarrist muss man ihm seine Bemühungen und die Leistung auf der Linkshänder-Gitarre in jedem Fall anrechnen. Dass weder er, noch irgendein anderer Gitarrist genauso spielen kann – oder glaubhaft spielen kann, so spielen zu können – wie Hendrix, ist klar, kann man aber auch nicht erwarten. Optisch passt der Schauspieler gut ins Bild, Bewegungen und Sprache sowie Stimmlage und Akzent hat er dabei größtenteils wirklich gut hinbekommen.

Wahrheitsgehalt umstritten

Hier endet allerdings die Liste der Dinge, die im Film beeindrucken. Der Regisseur dürfte sehr schleißig mit Recherche und Material umgegangen sein, es finden sich einige Szenen im Film, die nach Aussagen von Jimi Hendrix’ damaliger Freundin Kathy Etchingham so nie stattgefunden haben. Im Film wird Hendrix als gewaltvolle Person dargestellt, was er laut ihren Angaben nicht war. Dies will sie nun sogar mit der Veröffentlichung ihrer Krankengeschichte beweisen. Auch Charles R. Cross, Hendrix-Biograph, bestreitet den Wahrheitsgehalt des Filmes. Regisseur Ridley wollte den Film wohl „spannender“ machen, um mehr Zuseher in die Kinos zu locken.

Das größte Manko des Films ist allerdings, dass die Macher nicht die Lizenzen für Jimi Hendrix’ Musik hatten. Im Film selbst sieht und hört man also keinen einzigen eigenen Hendrix-Song. Es gibt nur anfangs Konzertausschnitte, als Jimi Hendrix noch als Jimmy James bei den Blue Flames in New York gespielt hat, ansonsten sieht man nur Jam-Sessions (z.B. mit dem jungen Eric Clapton) oder das Beatles-Cover Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band im Londoner Saville Theatre 1967, eine der wenigen guten Szenen im Film.

Zu empfehlen ist Jimi: All Is By My Side also nicht, mit einer Doku über Jimi Hendrix oder seiner Biographie ist man wesentlich besser bedient.

Autorin: Robin Frank