Film Review: „Cobain: Montage of Heck“

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Montage der Hölle

Brett Morgens Cobain: Montage of Heck ist die neueste Doku über Nirvana-Frontmann Kurt Cobain und wurde zum ersten Mal am 24. Jänner am Sundance Film Festival in den USA gezeigt. Der Film ist in der Tat, wie der Titel vermuten lässt, eine Art chronologische Bildercollage des Lebens Cobains. Benannt wurde er nach einem privaten Tonband des Musikers, welches vor einigen Monaten seinen Weg in die Medien fand.

Es wird im Film viel über Cobains Geburt und Kindheit in Aberdeen, Washington erzählt. Seine problematische Jugend wird beschrieben und schließlich auch, wie er anfing, Musik zu machen. Dabei wird zwischen animierten Comic-Zeichnungen, Kinderfotos und -videos sowie Ausschnitten und Bilder seiner Notizbücher, Tonbändern und Interviews mit Angehörigen (seiner Familie, Courtney Love, Krist Novoselić, u.a.) gewechselt. Dabei entsteht der Eindruck, das ganze Material wurde zu einer Collage zusammengefügt.

Dafür, dass Brett Morgen sich so genau an die Chronologie gehalten hat, ist der Film doch ein ziemliches Chaos. Die vermeintliche Doku hat im Grunde wenig tatsächlichen Dokumentationscharakter – man erfährt keine wirklich wesentliche neue Information über Cobains Leben, obwohl Morgen Zugriff auf sehr intime Materialien hatte. Vermutlich auf zu viel, denn es wird versucht, im Film alles unterzubringen – jede Kritzelei aus Kurts Tagebüchern, jedes Babyfoto. Das Ganze wirkt dabei etwas überladen; gleichzeitig schade, dass beispielsweise wichtige handgeschriebene Briefe, die aufscheinen, nicht ganz gezeigt, sondern nur einzelne Phrasen oder Wörter kurz eingeblendet werden. Das geht dann schnell in eine ziemlich einseitige Richtung, oft hätte ich gerne mehr von gewissen Materialien gesehen.

Wo ist Dave Grohl?

Was ich außerdem vermisst habe ist ein Interview mit Dave Grohl, um nur eine wichtige Person aus Kurts Leben zu nennen. Außerdem wird kaum auf den den Spagat von Nirvana als Garagen-Trio zur weltberühmten und generationsprägenden Grunge-Band eingegangen, der Weg ist – in diesem Film – kaum nachvollziehbar. Auch über seinen Tod wird in Cobain: Montage of Heck nichts erzählt, der Film endet lediglich mit einer schriftlichen Notiz seines Todestags, was das Filmerlebnis ziemlich plump enden lässt – oder wurde bewusst auf diesen essentiellen Teil verzichtet?

Nichtsdestotrotz würde ich empfehlen, den Film anzusehen, da man durchaus Material zu Gesicht bekommt, das vorher noch nie veröffentlicht wurde. Auch einige Aussagen der Angehörigen verraten durchaus persönliche Details zum Leben Cobains. Sicherlich hat Brett Morgen intensiv recherchiert und sich viele Gedanken zur künstlerischen Umsetzung des Streifens gemacht – an eine Musikerdoku habe ich dennoch höhere Erwartungen, nämlich vor allem jene, dass tatsächlich der Musiker mit der Musik als seinem kreativen Schaffen im Vordergrund steht. Dies ist aber vielleicht auch daran gescheitert, dass es genau zu diesem Punkt nur wenige Aussagen von Cobain selbst gibt – der Musiker beharrte nämlich darauf, dass man nicht über die Musik reden könne, um sie zu verstehen: man solle sie sich einfach anhören.

Autorin: Robin Frank