Film Review: „Get On Up“

Blog, Film Review

Das neue James Brown Biopic feierte am 09. Oktober 2014 Premiere in Deutschland. Regisseur Tate Taylor hat mit u.a. Mick Jagger („Jagged Films“) als Produzenten und Chadwick Boseman in der Hauptrolle ein wahres Funk-Spektakel kreiert.

„The Funk don’t quit!“
So lässt sich nicht nur die Storyline des Films, sondern auch das Leben von James Brown, dem „Godfather of Soul“ beschreiben.
In prekären Verhältnissen aufgewachsen landet Brown als Jugendlicher im Gefängnis, wo er auf Musiker Bobby Byrd trifft, der sein Gesangstalent entdeckt und ihn alsbald von dort rausholt. Die beiden sind ab diesem Zeitpunkt unzertrennlich und formen Byrds bestehende Band bei einer spontanen „Stage-Invasion“ in der Pause eines Little Richard-Konzerts in die Famous Flames um. So wird aus der ehemaligen Gospelgruppe eine Funk-/Soulband mit James Brown als Frontmann.
Die Spirale des Ruhms ist nach einem Plattenvertrag bei „King Records“ nicht mehr aufzuhalten – James Brown wird zum Weltstar und einem der einflussreichsten und für sämtliche Nachfolgemusiker prägendsten Künstler. Wie bei so vielen anderen Berühmtheiten allerdings steigt auch ihm der Erfolg zu Kopf, woraufhin Brown einige Fehlentscheidungen trifft. Die Auseinandersetzung mit seinen Mitmenschen und letztlich sich selbst zieht sich als tiefgreifendes Thema durch den gesamten Film.

„If it sound good and it feel good, then it’s musical.“
Der Film folgt prinzipiell einer chronologischen Basis, springt jedoch oft zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft umher. Manchmal verliert man daher kurz die Orientierung – vor allem anfangs, wenn man noch nicht an den Aufbau gewöhnt ist. Achtet man jedoch auf die eingeblendeten Jahreszahlen, findet man sich schnell zurecht.
„Get On Up“ ist in der Tat ein Biopic – ein „biographical film“. Doku braucht man hier keine erwarten – der Film könnte auch ohne Realitätsbezug gemacht worden sein und dabei beeindrucken. Er hat eine spannende Handlung und viele Charaktere zu denen ein persönlicher Bezug hergestellt wird. Auch die Beziehungen unter den Personen selbst werden stark thematisiert, wie etwa das Verhältnis von Brown zu seiner Mutter oder seinem besten Freund Bobby Byrd.
Das Biopic wirkt mit 139 Minuten ziemlich lang – die Zeit vergeht aber wie im Flug. Eigentlich hätte der Film auch doppelt so lange ausfallen können: vieles aus Browns Leben – einige Personen, die ihn beeinflussten, oder Erfolge, die er feierte – wird gar nicht erwähnt. Wahrscheinlich ist im Format eines Films Akribie aber auch nur bis zu einem bestimmten Grad umsetzbar. Besonders großartig sind in jedem Fall die Musikszenen wie Proben, Auftritte, etc., von denen man als Zuseher und -hörer nicht genug bekommen kann. Chadwick Boseman hat die Tanzchoreographien für den Film sechs Stunden täglich trainiert und meistert bspw. den „Mashed Potato“ beinahe genau so gut wie der „echte“ James Brown. Was den Gesang betrifft: es werden zwar in den meisten (Konzert-)Szenen optimierte Originalaufzeichnungen von James Brown verwendet, ab und zu singt Boseman jedoch wirklich selbst – und das alles andere als schlecht! Von Mimik, Gestik und Sprache her hat Boseman sein Spiel im Grunde zur Perfektion gebracht.

Neben der Tatsache, dass dieser Film eine grandiose Unterhaltung darstellt, bekommt man dank ihm auch die Gelegenheit, tief in den Sound und den Stil von James Brown einzutauchen und den totalen, eigenen Groove einer ganzen Ära bedeutender Musik zu fühlen.

Ich spreche hiermit eine ganz klare Empfehlung aus, sich diesen Film anzusehen – man wird es nicht bereuen. Denn schließlich sind die im Film behandelten Genres (R’n’B, Funk und Soul) mitunter die Vorreiter so vieler anderer großartiger Stile und Künstler der (Rock’n’Roll-)Musikgeschichte, aber auch in sich selbst ein fantastisches Gesamtkunstwerk – welches man entsprechend würdigen sollte.

Weitere Infos:

http://www.getonupmovie.com („Get On Up“ Website)

Advertisements