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Album Review: Blank Manuskript – »Krásná Hora« (2019)

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The Hope Lies in Music

The tone is heavy and pounding, foreshadowing something doomful: it’s the monsters lurking under our bed, and they’re coming for us. Blank Manuskript, Austria’s most promising art rockers (gig reviews here and here), have released their new concept album Krásná Hora on September 19th. Its name refers to a small Czech town and is best translated as »beautiful mountain.«

Krásná Hora tells the one story that unites us all: the rise and demise of human life. Underlying the work there is an inescapable sense of tragedy. Within the music, the fears each of us share are confronted. The world is coming to an end – and we are going down with it. Yet there is a faint hope left still, coursing throughout the album.

»Is it just on my own / I can fully unfold / And evolve my hidden inner me?«

This is one of the key questions the protagonist poses in the opening track »Ouverture.« The following piece »Foetus« is a prime example of the band‘s skill to convey imagination through music: muffled, partly muted lyrics and »liquid« sound effects take the listener back into her mother’s womb.

It is »Achluphobia« (i.e. the fear of night and darkness – and consequently of the lurking monsters) which serves as the centrepiece of the album, claiming the podium with a proud length of 15:36. The track takes us back to the time in our lives we spent as shy and insecure children, unable to fully grasp what’s going on around us. A collage of musical and non-musical sounds imbues this slow and powerful song with a sense of mystery. Its minimalist yet soulful electric guitar adds feeling, often through damped accentuations. Chimes and percussion accompany this acoustic experience to create a rhumba.

Of pride and isolation

Growing up, we are inevitably faced with the pressure to prove ourselves as valid individuals within society. Blank Manuskript choose to make this struggle audible in »Pressure of Pride« with heavy jazz infusions. Along with staccato vocals and an incredibly smooth saxophone theme, the piece blends a variety of demanding elements.

In »Shared Isolation« we hear a Spanish style guitar playing, accompanied by flute, which, along with its paced rhythm, gives the piece a Renaissance feel at first. Then, the electric guitar breaks in and enhances the dynamic of the piece considerably, yet to be elevated by the saxophone. An assemblage of sampled sounds paves the way to the core of the song. Its main musical theme, the leitmotif of the album – with an inherent epic feel – is already presented in »Ouverture.« 

»Avoidance mellows sentiments / As blossoms wilt with time / Embraced in insignificance / Our world has lost its prime:«

The ideas of a doomed fate, isolation and loneliness are deepened with the final tracks »Alone at the Institution,« »Silent Departure,« and ultimately »The Last Journey.« With this album, Blank Manuskript have managed to successfully fuse and even extend their variety of musical elements. These include collages of sound effects, jazz, rash prog aesthetics, and sweet melodies, to name but a few. It lives up to what is expected of a concept album: the music, the lyrics, the artwork, and, most importantly, the story – it’s all there, and beautifully makes up the so-called Gesamtkunstwerk [»total work of art«].

Krásná Hora captures the contemporary world’s dire atmosphere, while yet giving the listener a tiny spark of hope that there is, in the end, some beauty left to be found. Music is always a good place to start searching for it.

Author: Robin Frank

More info / photo credits:
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Gig Review: Blank Manuskript, 09.11.2018

Blog, Gig Review

Musik für schräge Leute

Blank Manuskript, das ist Prog-Rock, Art-Rock, oder, laut Selbstbeschreibung, »radikale Individualität in Kontrast gesetzt zu gemeinschaftlicher Identität«. Ein Konzertbericht vom Auftritt der Band am 9. November im Tunnel Vienna Live.

Es ist kurz vor halb neun. Im urigen Keller des Tunnel Vienna Live haben sich bereits die meisten Zuhörer*innen für das bevorstehende Konzert der Salzburger Band eingefunden. Die mit Equipment üppig bestückte Bühne lässt Großes erahnen: ein Schlagzeug, mindestens drei E-Gitarren und ein fünfsaitiger E-Bass – jeweils mit diversen Effektpedalen –, zwei Saxophone, eine Querflöte, ein Gong, eine Cowbell, ein Glockenspiel, ein Tamburin, ein Keyboard, eine Orgel, ein Synthesizer, eine Bratsche und fünf Gesangsmikrophone ergeben vermutlich noch immer keine vollständige Aufzählung.

Der opulente Schein soll jedoch nicht trügen – Blank Manuskript machen von sämtlichen mitgebrachten Instrumenten Gebrauch, eher noch: sie holen alles aus ihnen heraus. Dass die Mitglieder des Fünfergespanns, bestehend aus Jakob Aistleitner (Saxophon, Querflöte, Percussion, Glockenspiel, Gitarre, Gesang), Peter Baxrainer (Gitarre, Gesang), Jakob Sigl (Schlagzeug, Percussion, Gesang), Dominik Wallner (Keys, Gesang) und Alfons Wohlmuth (Bass, Gesang), quasi Multiinstrumentalisten sein müssen, um das gesamte Equipment bespielen zu können, liegt auf der Hand. Es ist jedes Mal aufs Neue beeindruckend, Musiker*innen zuzuhören, die ein Instrument gemeistert haben. Kommt dann allerdings noch ein zweites, ein drittes, ein viertes … und auch Gesang hinzu, ist man schlicht sprachlos. Bei einem Blank-Manuskript-Konzert aber ohnehin nicht abwegig.

Prolog: »The Waiting Soldier«

Die Gruppe wählt einen direkten Einstieg, in welchem sie die ersten vier Stücke – also etwa die Hälfte – ihres dritten Albums »The Waiting Soldier« aus 2015 präsentiert. Neben »Induction«, »Kites to Sky« und »Doubts« ist es vor allem »Public Enemy«, das die Stimmung ungemein anheizt. Die gewählten Bühnenoutfits, bei welchen Dominik Wallners knallrotes Paillettenhemd und Peter Baxrainers violettes Samtjackett lediglich von Alfons Wohlmuths goldenen Glitzerschuhen getoppt werden, unterstreichen die dem Progressive-Rock so zugrundeliegende Idee des Gesamtkunstwerks.

Es ist größtenteils dieser Liebe zum Detail und der ganzheitlichen Hingabe an die eigene Kunst geschuldet, dass beim Publikum unweigerlich ankommt: hinter dieser Gruppe steckt mehr. Nach etwa zwanzig Minuten verstummt der letzte Klang der Einleitung, Applaus setzt ein. Dominik Wallner begrüßt die Zuhörenden: »Schön, dass wir wieder in unserer Bundeshauptstadt spielen dürfen. Wir haben gehört, ihr braucht’s Hilfe!« Allerdings – und zwar jede, die wir bekommen können.

»Krásná Hora«

Die Hilfe kommt in Form von Blank Manuskripts neuem Album »Krásná Hora«, das sie heute zum letzten Mal in voller Länge live vortragen, bevor es kommenden Jänner im Studio aufgenommen wird. Das Konzeptalbum widmet sich thematisch dem Verlauf des menschlichen Lebens mit all seinen Höhen und Tiefen. So verfolgen die Zuhörenden das Individuum von dessen Zeit im Mutterleib (»Foetus«) über Kindheit und Jugend (»Achluphobia«, »Pressure of Pride«), die erste Liebe und deren Scheitern (»Shared Isolation«), Konflikte zwischen Einsamkeit und Zugehörigkeit im Erwachsenenalter (»Alone at the Institution«) bis zum Älterwerden und schließlich Ableben (»Silent Departure«, »The Last Journey«).

Wie es eben das Wesen eines Konzeptalbums ist, macht es wenig Sinn, die Stücke isoliert voneinander zu betrachten oder zu beschreiben. Die Übergänge sind fließend. »Krásná Hora« ist als stringentes Werk wahrzunehmen, auf das man sich bewusst einlässt und es dann durchzieht, auch wenn manche Passagen vielleicht etwas schwerer im Magen liegen. Belohnt wird man dafür mit einer flüssigen Gruppendynamik, gewagten Klängen und ansteckender Leidenschaft. Unterbrechungen gibt es während des Vortrags nur dann, wenn das Publikum sich seines Applauses nicht enthalten kann – das wohl schönste Kompliment.

Epilog: »Tales from an Island«

Die Band schließt mit »The Cult of Birdman«, einem Auszug ihres ersten Albums »Tales from an Island – Impressions from Rapa Nui« (2009). Blank Manuskript haben es somit geschafft, innerhalb von zwei Stunden ein vielseitiges, jedoch rundes Programm zu bieten. Dominik Wallner verabschiedet das Publikum mit einem »Danke für’s Kommen und Unterstützen ›solcher‹ Musik für schräge Leit, die es im Radio bekanntermaßen schwer hat.« Großer Respekt an Bands wie diese, die genau diesen erschwerenden Umständen trotzen und ihren Weg weiter gehen.

Neben diversen anstehenden Terminen in Deutschland, Italien und Frankreich sind Blank Manuskript kommendes Jahr am 23. Februar im Kramladen und am 8. März erneut im Tunnel in Wien zu Gast.

Autorin: Robin Frank

Dieser Artikel erschien ursprünglich bei skug.

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