Claus Trophobia, Juli 2018

Blog, Interview

‚THIS IS THE UNDERGROUND‘

Der Wiener Musiker Claus Trophobia hat am 15. Juni sein Soloprojekt-Debütalbum No Love veröffentlicht. Im Gespräch mit RIFF SHIFT verriet er, was die größten Herausforderungen als Musikschaffender sind, warum man nicht immer einen Plan haben muss und weshalb der Weg stets das Ziel ist.

RIFF SHIFT: Lieber Claus, du bist Multiinstrumentalist, spielst Gitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier und singst. Außerdem nimmst du deine Songs selbst auf und mischt sie in Eigenproduktion. Du bist Gründungsmitglied des Labels Gasgasse Records. Neben deinem Soloprojekt bist du bei Mindbomb tätig. Habe ich etwas ausgelassen?

Claus Trophobia: Eigentlich nicht. Ich glaube aber, es wäre ein Overstatement, zu sagen, ich spiele Klavier. Ich bediene bloß die Tasten so lange, bis sie nach dem klingen, was ich mir vorstelle.

RIFF SHIFT: Was ist denn dein primäres Instrument?

Claus Trophobia: Das ist und bleibt die Gitarre.

RIFF SHIFT: Wie sehen generell deine musikalischen Anfänge aus, wie würdest du sie beschreiben?

Claus Trophobia: Die erste Art der Musik, die an mir hängen geblieben ist, war Soundtracks von Filmen. Beispielsweise Klaus Doldingers Das Boot. Meine ersten Versuche, selber Musik zu kreieren, waren mit einem Sampling-Programm mit vorgefertigten Loops und Beats. Zwischenzeitlich hat mich dann aber die Rockmusik ergriffen, insbesondere von Bands wie Monster Magnet und The Cult. In weiterer Folge habe ich dann begonnen, mir Gitarre beizubringen, unterstützt durch Unterricht bei einer Musikstudentin, allerdings wirklich nur für die Basics auf der Konzertgitarre, alles andere autodidaktisch.

RIFF SHIFT: Wie ging es dann weiter, wann hast du das erste Mal in einem Ensemble gespielt?

Claus Trophobia: Die ersten Bandprojekte sind dann sehr schnell gekommen. In Wirklichkeit haben wir ja in der Schule bereits eine Band gegründet, bevor wir überhaupt Instrumente spielen konnten. Wir haben uns überlegt „Du spielst Schlagzeug, du spielst Bass…“ und so weiter. Ich war aber der einzige, der die Sache letztlich durchgezogen hat.

RIFF SHIFT: Du hast ja auch bei Greedy Monsters gespielt, wie ist das zustande gekommen?

Claus Trophobia: Greedy Monsters habe ich im Jahr 2011 mitbegründet. Mit dieser Formation habe ich 2012 meine ersten Veröffentlichungen herausgebracht: Die LP Greedy Monsters sowie die EP Bullsquid Apocalypse. Bei letzterer habe ich die Produktion erstmals alleine in die Hand genommen – das sollte dann den Weg zu meinem Soloprojekt ebnen.

RIFF SHIFT: Wie lange warst du dann dabei?

Claus Trophobia: Bis zuletzt – die Band hat sich nach etwa zwei Jahren aufgelöst.

RIFF SHIFT: Danach kam Freddie Red, oder?

Claus Trophobia: Zwischenzeitlich war ich für kurze Zeit bei Freddie Red und Broken Ego, davor hat auch eigentlich schon das Projekt Mindbomb mit Alessandro (Anm.: Wessely, Mitglied bei Mindbomb und Old Steam Machine) begonnen. Es gab also sehr viele Projekte gleichzeitig.

RIFF SHIFT: Der aktuelle Stand sind dein Soloprojekt Claus Trophobia und die Band Mindbomb, wobei du dich zeitlich eher deinem Soloprojekt widmest, oder?

Claus Trophobia: Ja, so wie es sich halt ergibt. Es steckt kein größerer Plan dahinter, man tut einfach.

RIFF SHIFT: Jetzt eine sehr klassische Frage zum Künstlernamen: Claus ist ja dein Vorname, aber wie kommt man darauf, sich Claus Trophobia zu nennen?

Claus Trophobia: Ja, wie gerade angedeutet, ist es ein Wortspiel mit meinem Vornamen. Andererseits kann man es auch so deuten: Ich schreibe Songtexte hauptsächlich aus meinem Unterbewusstsein heraus, zumindest versuche ich das so. Das was darin versteckt ist, will hinaus, will befreit werden.

RIFF SHIFT: Als Hörerin würde ich aber davon ausgehen, dass hinter der Musik vielleicht etwas düsteres, beklemmendes steckt – so ist es bei dir aber nicht, soweit ich das beurteilen kann. Natürlich gibt es finstere Sachen, aber mindestens genauso viele, die überhaupt keine Bedrängnis hervorrufen, ganz im Gegenteil.

Claus Trophobia: Ich glaube es ist generell schwierig, in einem Namen alle Aspekte zusammenzufassen. Das Beklemmende ist für mich der Status quo, aus dem ich ausbreche.

RIFF SHIFT: Würdest du den Namen auch in klanglichen Bezug zu deiner Musik setzen?

Claus Trophobia: Weniger. Es ist primär ein Wortspiel.

RIFF SHIFT: Zu deinem Debütalbum No Love: Wie kann man sich den Entstehungsprozess vorstellen?

Claus Trophobia: Der Prozess war der, dass es gar keinen Plan dafür gab. Dadurch, dass Claus Trophobia als Nebenprojekt gestartet ist, neben meinen anderen Bandprojekten, habe ich das aufgenommen, was ich mit anderen Bands nicht gemacht habe. Ich habe einfach den Dingen freien Lauf gelassen, Song für Song, ohne auf ein Album hinzuarbeiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sobald man ein Album plant, die Beendigung schwierig wird. Wenn man Schritt für Schritt drauflos arbeitet, hat man von heute auf morgen plötzlich genug Songs, aus denen man ein Album machen kann.

RIFF SHIFT: Wie lange hat die Arbeit vom Zusammentragen des Materials bis hin zur Veröffentlichung gedauert?

Claus Trophobia: Schwierig zu sagen, da viele Songs Remakes von uraltem Material sind. Es gibt Songs darauf, die habe ich vor zehn Jahren geschrieben, dann umgeschrieben und dann aufgenommen. In Summe habe ich wahrscheinlich eineinhalb Jahre daran gearbeitet, mit langen Pausen dazwischen.

RIFF SHIFT: Du hast also einiges an Material aus der Vergangenheit verwertet, upgecycled sozusagen. Haben sich seit dem Release schon ehemalige Bandkollegen bei dir gemeldet, die dich darauf angesprochen hätten?

Claus Trophobia: Nein. Einige Songs wurden zwar schon auch früher live gespielt, aber ich habe keinen Kontakt mehr zu ihnen und sie haben das Album vermutlich auch nicht gehört.

RIFF SHIFT: Auf welche Hindernisse bist du im Albumprozess gestoßen?

Claus Trophobia: Auf überraschend wenige, da ich das Knowhow bereits bei vorigen Projekten erarbeitet und mir kein konkretes Ziel gesetzt habe.

RIFF SHIFT: Das Label (Anm.: Gasgasse Records) war ja für den Release schon da. Denkst du, ohne wäre es schwer gewesen?

Claus Trophobia: Möglicherweise. Aber ich nehme die Dinge gerne selbst in die Hand, bevor ich wen anderen anhaue. Die Frage hat sich einfach nicht gestellt. Es hat sich gefügt.

RIFF SHIFT: Du hast neun Tracks auf deinem Album, und bedienst verschiedene musikalische Stile. Wenn man sich Songs wie Overlord oder den Titeltrack No Love anhört, geht es ja wesentlich härter zu, als bei Nummern wie Lonely Birds. Wie beschreibst du diesen Spagat? (Anm.: Auf der offiziellen Website wird das Projekt als „Alternative – Space Rock – Ambience“ beschrieben.)

Claus Trophobia: Ich schreibe meine Songs häufig drauflos. Der Sinn ergibt sich meist von selbst. Ich setze mir weder stilistisch noch anderswo Grenzen. Der kreative Geist schwankt zwischen ekstatischen Hochs und tiefen Abgründen. Man hat negative und positive Gedanken, destruktive und produktive, und diese Vielseitigkeit spiegelt sich dann in den Songs wider.

RIFF SHIFT: Man sagt häufig, dass es für Künstler erfolgsversprechender sein kann, eine klare Linie zu verfolgen, bzw. stilistisch auf einem Gleis zu fahren. Würdest du das auch so sehen?

Claus Trophobia: Das mag stimmen, aber es muss ehrlich sein und von Herzen kommen. Es ist ein Entstehungsprozess, diese Linie zu finden. Vielleicht pendle ich mich irgendwann auf einen Stil ein, das weiß ich noch nicht.

RIFF SHIFT: Würdest du das als dein Ziel beschreiben, dich einzupendeln?

Claus Trophobia: Der Weg ist das Ziel, und momentan schlägt das Pendel noch weiter aus.

RIFF SHIFT: Du hast dein Album letztes Monat im Wiener Battle Axe im Rahmen einer Akustik-Show präsentiert. Wie hast du das umgesetzt?

Claus Trophobia: Es war eine Herausforderung, das alles runterzubrechen. Ich war unterstützt durch einen Looper, wobei ich damit hauptsächlich den Rhythmus hervorgehoben habe. Tatsächlich war es eine Akustik-Show, entsprechend hat man die Songs auch rhythmisch adaptiert und anders dargeboten. Man tut sich schwer, da man nicht jeden Song eins zu eins spielen kann und er dann genau so klingt, wie er soll. Bei manchen lässt es sich gar nicht umsetzen, und die habe ich dann ausgelassen. Andere haben aber funktioniert, und ich glaube, sie sind auch ganz gut angekommen.

RIFF SHIFT: Das heißt, du musstest auf einiges verzichten?

Claus Trophobia: Ja, was No Love betrifft schon. Fünfzig Prozent des Sets waren aber sowieso ganz neue Songs, die ich, auch im Hinblick auf diesen Auftritt, erst vor kurzer Zeit geschrieben habe.

RIFF SHIFT: Warum ist das Album eigentlich genau nach diesem Song benannt? Spricht er dich besonders an, oder war es der erste?

Claus Trophobia: Es ist derjenige Song, der den Stein losgetreten hat. Außerdem bleibt er, wie ich denke, am ehesten bei den Leuten hängen.

RIFF SHIFT: Es gibt auch ein Musikvideo zu dem Song. Ist auch das selbst produziert oder gab es dazu Unterstützung?

Claus Trophobia: Auch das ist selbst produziert, wobei ich beim Dreh Unterstützung von meinem Mindbomb-Kollegen Alessandro erhalten habe, der auch im Video zu sehen ist.

RIFF SHIFT: Du hast ja bereits Erfahrung beim Dreh und der Produktion von Musikvideos, da gibt es ja bei Mindbomb auch schon einige, die online zu finden sind…

Claus Trophobia: Ja, das war jetzt schon das vierte Musikvideo mittlerweile.

RIFF SHIFT: Findest du, in den Videos ist eine Steigerung zu verzeichnen?

Claus Trophobia: Absolut, nur stellt sich natürlich die Frage, wie lange das noch so machbar ist als Laie. Unser Budget ist natürlich auch stark begrenzt, ich glaube aber, wir haben mit den Mitteln, die uns zur Verfügung standen, gute Ergebnisse erzielt.

RIFF SHIFT: Was war die größte persönliche Herausforderung für dich bei deinem Album-Release?

Claus Trophobia: Die Arbeit abzuschließen und zu sagen, dass das Ding jetzt fertig ist. Das war der größte Schritt.

RIFF SHIFT: Wie würdest du, im Hinblick auf dein musikalisches Tun, die österreichische Musikszene beschreiben? Siehst du irgendwelche Dinge, an denen du dich stößt?

Claus Trophobia: Ich glaube, das Problem ist überall das gleiche heutzutage, nämlich dass man sich von Haus aus positionieren und verkaufen muss. Man muss ein Produkt sein, dass beschrieben und beworben gehört, was dem künstlerischen Prozess im Weg steht. Aber ich glaube, das ist überall so, egal, wo man hingeht.

RIFF SHIFT: Was würdest du anderen Musikern, die ähnlich wie du in Hinblick auf Equipment, Finanzierung, Produktion etc. auf sich selbst gestellt sind, raten? Kannst du ihnen etwas mit auf den Weg geben?

Claus Trophobia: Ich würde ihnen sagen, dass sie ihr eigenes Ding durchziehen und sich nicht korrumpieren lassen sollen. Beispielsweise im Hinblick auf Genre. Das war immer mein Problem mit Bands, dass mehrere Vorstellungen aufeinander prallen, jeder eine etwas andere Schiene fahren möchte und dadurch Reibung entsteht. Im Endeffekt muss man dann einen Kompromiss finden, und ich weiß nicht, ob man sich mit einem Kompromiss erfolgreich entwickeln kann.

RIFF SHIFT: Du hast ja nun beide Seiten erfahren, sowohl die Arbeit mit Bands als auch alleine. Würdest du sagen, du bevorzugst eine der beiden Arten?

Claus Trophobia: Das ist ein zweischneidiges Schwert. Wenn man alleine ist, hat man natürlich alle Freiheiten und kann alles tun, was man will, ohne dass jemand dazwischenredet. Andererseits ist es auch schwieriger, sich zu motivieren, Dinge durchzuziehen, wenn man alleine ist. Man muss ja wirklich alles selbst organisieren, und das ist die Herausforderung.

RIFF SHIFT: Gibt dir die Gruppenarbeit oder dein Soloprojekt mehr?

Claus Trophobia: Ich glaube, ich brauche beides. Für mich ist es aus jetziger Sicht keine Option, auf eines davon zu verzichten.

RIFF SHIFT: Gib uns einen Ausblick – was steht in nächster Zeit an?

Claus Trophobia: Ich arbeite derzeit an meinem neuen Album. Das ist zeitintensiver, als ich gedacht hatte, aber das Song- und Soundmaterial ist sehr vielversprechend, auch dadurch, dass ich jetzt vermehrt mit analogen Synthesizern arbeite. Wann es erscheint, kann ich nicht sagen, da das neben einem Fulltime-Job doch sehr schwierig ist. Neben dem neuen Album arbeite ich auch an einem Soundtrack für einen Kurzfilm. Bereits bei No Love sind ja schon einige Spielereien in dieser Richtung dabei, die mir viel Spaß gemacht haben und die ich auch mit aufs Album genommen habe. Genau diese haben mir jetzt diesen Auftrag für einen Science-Fiction-Film beschert, was besonders spannend für mich ist. Es ist eine ganz neue Herausforderung, eine komplett andere Arbeitsweise. Da ich ja über Soundtracks zur Musik gekommen bin, wäre das schon eine Art Traumjob. Ob ich dem gewachsen bin, wird sich zeigen.

Claus Trophobias Debütalbum No Love ist in limitierter Auflage erhältlich.

 

Autorin: Robin Frank

 

Mehr Informationen / Photo-Credits:

http://www.claus-trophobia.com (Claus Trophobia official website)
https://www.facebook.com/claustroph/ (Claus Trophobia Facebook page)
https://soundcloud.com/claus-trophobia (Claus Trophobia Souncloud page)
https://www.youtube.com/watch?v=a8MwKuL2S1I (Claus Trophobia – No Love music video)
https://www.facebook.com/mindbombvienna/ (Mindbomb Facebook page)
https://soundcloud.com/mindbombvienna (Mindbomb Souncloud page)
https://www.youtube.com/channel/UCUTrZMmvaMQzNLk76z3S5Gg (Mindbomb YouTube channel)
https://www.facebook.com/gasgasserecords/ (Gasgasse Records Facebook page)
http://www.battleaxe.at (Battle Axe official website)

Advertisements

Interview: Old Steam Machine, August 2017

Blog, Interview

‚NO ONE CAN STOP ME, I’M A STEAM MACHINE‘

Ein Album im Alleingang aufnehmen, dazu ein eigenes Label gründen und den Release organisieren? Herausforderungen, denen sich viele Bands stellen müssen. Die fünf Mitglieder der Wiener Hard Rock-Band Old Steam Machine (Gig Reviews hier) sprachen mit RIFF SHIFT über ihr Debütalbum OSM, Learning-by-Doing und Vorteile der eigenen Labelgründung in Österreich. 

RIFF SHIFT: Wenn man im Internet über euch recherchiert, findet man heraus: das Gründungsjahr war 2006. Das ist jetzt schon über zehn Jahre her und du, Patrick, bist das einzig verbliebene Gründungsmitglied. Wann und wie sind die anderen dazugekommen?

Gerhard (Anm.: Bassist): Ich bin das neueste Mitglied der Band und vor etwas über zwei Monaten dazugekommen. Der Ronny (Anm.: Rhythmusgitarrist) hat mich gefragt, dann haben wir geprobt, uns das angeschaut – hat gut funktioniert und ich bin auf jeden Fall weiterhin dabei.
Ronny: Ich war unterwegs mit’m Lary (Anm.: Leadgitarrist Patrick Lary), es war sehr romantisch (lacht). Er hat mich dann gefragt, ob ich in seiner Band spielen möchte. Jetzt bin ich seit Anfang Sommer dabei.
Ben (Anm.: Schlagzeuger): Ich bin das drittneueste Mitglied und mittlerweile seit acht Monaten dabei.
Alessandro (Anm.: Sänger): Ich bin dazugekommen vor fünf Jahren. Den Lary hab’ ich über einen gemeinsamen Freund bei einem Jam kennengelernt. Dann hat er mir gesagt, ich soll mal zur Probe vorbeikommen. Seitdem bin ich, wenn auch mit vielen Umstellungen, immer dabeigeblieben.

RIFF SHIFT: Momentan passiert bei euch ja sehr viel – am 1. September präsentiert ihr euer Debütalbum. Da stellt man sich natürlich die Frage: warum erst jetzt?

Alessandro: Weil wir die meiste Zeit eigentlich gar nicht an ein Album gedacht, sondern einfach nur gespielt haben. Die Band hat sich auch immer wieder verändert. Viele sind gegangen, einige sind gekommen. Daher wurde viel Zeit darin investiert, den neuen Mitgliedern die Songs zu zeigen. Dann haben sich aber auch die Songs an sich immer wieder verändert. Zwischendurch haben wir natürlich auch Konzerte gespielt, die auch immer selbst organisiert waren. Für ein Album hat einfach die Zeit gefehlt.

RIFF SHIFT: Auf dem Album sind nur Patrick, Alessandro und Ben zu hören – alle Instrumente sind selbst eingespielt. Wie liefen die Aufnahmen ab?

Patrick: Wir waren froh, dass der Ben auf unsere Pilotspuren das Schlagzeug einspielen konnte. Darauf konnten wir dann aufbauen. Danach hab ich die Gitarren und den Bass gemacht, dazu Piano als Fläche. Und der Ale hat dann den Gesang aufgenommen.

RIFF SHIFT: Ihr habt euch jetzt entschieden, gemeinsam mit dem Künstler Claus Trophobia (AT) euer eigenes Label Gasgasse Records zu gründen. Was war der Grund dafür?

Alessandro: Der Grund war eigentlich, dass wir so selber veröffentlichen können, mit allem, was dazugehört. Wir ersparen uns dadurch den Umweg, erst ein Label suchen und finden zu müssen.
Gerhard: Das ist heute wahrscheinlich auch die Methode, die man eben anwendet. Ganz nach dem Do-it-yourself-Gedanken.
Patrick: Wir haben uns auch gedacht: jetzt haben wir schon alles selbst gemacht, lasst uns doch auch gleich ein eigenes Label gründen.
Gerhard: Es geht auch relativ schnell und günstig. Heutzutage ist es sowieso problematisch mit CD-Verkäufen. Bei einem Label hast du dann zusätzlich auch noch Abgaben.
Alessandro: Bei OSM war es doch auch immer so, dass wir immer alles selber gemacht haben. Vom Proberaum, der mittlerweile zum Studio geworden ist, bis zu den Aufnahmen.

RIFF SHIFT: Würdet ihr es jungen MusikerInnen also empfehlen, ebenfalls ein eigenes Label zu gründen?

Patrick: Schneller zu einem Resultat kommst du schon, wenn du bei einem Label aufgenommen wirst, weil alles selbst zu machen eben sehr zeitintensiv ist. Im Nachhinein hast du dafür aber auch, wenn du es selber machst, alles in der Hand. Es verdient niemand von außen mit, sondern nur die Band selbst bzw. das eigene Label. Der Profit muss dann nicht geteilt werden und du musst dich niemandem beugen.
Alessandro: Wir wollten keinen „Chef“ haben, der uns Vorgaben gibt oder uns unter Druck setzt. In unserer Situation überwiegen auf jeden Fall die Vorteile einer eigenen Labelgründung.
Gerhard: Derzeit reicht es für uns so. Irgendwann kommt aber natürlich der Punkt, wo man weiterdenken muss.
Ronny: Es ist auch eine gewisse Routine bei den Labels in Österreich, vermutlich eh weltweit, dass wenn du in ein größeres Label reinkommen willst, eine gewisse Reichweite vorweisen musst. Wie bist du in den sozialen Medien aufgestellt, wie viele Leute besuchen deine Gigs, usw. Das heißt, um mal dorthin zu kommen, bleibt dir eigentlich nichts anderes übrig, als ein eigenes Label zu gründen.
Patrick: Der Traum ist eh, dass das zweite Album dann unter einem großen Label produziert und von diesem auch finanziert wird.

RIFF SHIFT: Würdet ihr unter Gasgasse Records auch andere Bands rausbringen?

Patrick: Aktiv suchen wir zwar nicht danach, aber sollte sich in bestimmten Situationen etwas ergeben, natürlich.
Alessandro: Prinzipiell ist das im Bereich des Möglichen.

RIFF SHIFT: Mal etwas genauer zum Album: auf Soundcloud sind auf eurem Profil momentan fünf Songs zu hören. Sind diese dann auch am Album zu finden?

Alessandro: Ja, genau in derselben Version. Am Album sind noch sieben Songs mehr drauf, also insgesamt zwölf.

RIFF SHIFT: Wie würdet ihr jemandem, der euch nicht kennt und dem „Melodic Hard Rock“ nicht viel sagt, euren Stil beschreiben?

Patrick: Er hat psychedelische Einflüsse, Hard Rock-Einflüsse und „balladige“ Einflüsse.
Ben: Ich sage immer „Melodic Rock“ dazu.
Gerhard: Ich erkläre es immer mit „Riff Rock“ – weil die Musik eben sehr rifflastig ist. Aber auch sehr melodiös, manchmal sind sogar fast jazzige Klänge dabei.
Ronny: Ich sag’ immer Hard Rock.
Alessandro: Hard Rock ist aber eben oft ein Riff, der sich ständig wiederholt. Bei uns gibt’s da schon mehr Abwechslung.
Ronny: Und eben auch recht viele Balladen.
Patrick: Bei uns werden aber auch die fetten Lieder immer sauber gespielt. Es ist nichts einfach nur reingedrescht. Auch wenn es härter wird, bleibt der Song immer klar.
Gerhard: Am Album ist auch einfach alles dabei. Ein guter Überblick darüber, was wir können.
Ben: Auf gut Deutsch: lässig!

RIFF SHIFT: Gibt es eine Band, mit der ihr euch vom Sound her vergleichen würdet?

Patrick: Schwer, sehr schwer. Das traue ich mich gar nicht.
Ronny: Gigi D’Agostino (alle lachen).
Alessandro: Wir haben das schon oft diskutiert, weil uns diese Frage schon viele gestellt haben, aber nie eine Antwort darauf gefunden. Das Material ist einfach zu unterschiedlich, um einen Vergleich zu ziehen.
Patrick: Wir geben uns auch Mühe, bewusst nicht zu klingen, wie jemand anderer. Irgendwann habe ich persönlich auch aufgehört, aktiv Musik zu hören. Wenn ich Zuhause Lust auf Musik habe, nehme ich die Gitarre in die Hand. Ich höre mir nie CDs an. So hat sich mein Stil selbständig entwickelt.
Ben: Einflüsse sind aber natürlich da, bei mir als Schlagzeuger wären das zum Beispiel John Bonham oder auch simple Beatles-Beats.

RIFF SHIFT: Am ersten September gibt’s die Möglichkeit, euch live zu sehen. Was ist denn für den Abend geplant?

Alessandro: Es wird so ablaufen, dass unser Special Act und Label-Partner Claus Trophobia startet. Er wird alleine auftreten.
Ronny: Ja, der hat ja sonst keinen Platz, das würd’ er nicht packen (alle lachen).
Alessandro: Auf jeden Fall treten danach Pink Moon (AT, Gig Review hier) als Support auf, und dann präsentieren wir unser Album.

RIFF SHIFT: Wie würdet ihr rückblickend die Erfahrung des Aufnehmens eures ersten Albums beschreiben?

Alessandro & Patrick (gleichzeitig): Viel Arbeit!
Patrick: Es ist zwar langsam gegangen, dafür stetig.
Alessandro: Kann man schon so sagen. Es war wirklich viel zu tun, vor allem auch, weil wir nur zu dritt waren und einige Anläufe gebraucht haben. Aber wir sind im Prozess gewachsen, einfach durchs Learning-by-Doing.
Ben: Auch interessant ist, dass man immer wieder von Null anfangen muss. Immer wieder.
Alessandro: Genau. Mit 1. September haben wir uns daher auch selbst eine Deadline gesetzt, sonst hätten wir wahrscheinlich noch ein Jahr daran gebastelt.
Ronny: Ich finde es andererseits aber gut, dass ihr nur zu dritt wart, weil dadurch weniger Leute auf euch eingeredet haben. Zu viele Köche verderben den Brei.

RIFF SHIFT: Ein kurzer Blick in die Zukunft: was kommt als nächstes?

Alessandro: Nach dem Release werden wir das Album natürlich promoten, das ein oder andere Musikvideo drehen. Den Vertrieb checken, Konzerte in- und außerhalb von Österreich spielen. Genug Ideen und Material fürs nächste Album gibt’s auch schon. Wir wollen also nicht zu viel Zeit vergehen lassen, bis wir damit beginnen.
Patrick: Es würde mich wirklich freuen, in der aktuellen Besetzung die nächsten Aufnahmen zu machen.
Gerhard: Wir haben jetzt auch für jedes Instrument die besten Leute gefunden.
Ben: Wir wollen in Zukunft die ganze Welt bespielen. Japan, England, die USA…
Ronny: Eisenstadt (alle lachen).
Ben: Wir träumen groß!

OSM präsentieren am 1. September ihr Debütalbum OSM im Replugged in Wien. Alle Infos zur Veranstaltung und der Band sind zu finden unter:

https://www.facebook.com/old.steammachine/

https://www.facebook.com/events/1511509505581478/